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Meinung Krankenkassen vor 
neuer Fluchtwelle
Nachrichten Meinung Krankenkassen vor 
neuer Fluchtwelle
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02:15 28.08.2015
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Vor rund einem Jahr bekamen acht Millionen Bundesbürger einen Scheck von ihrer Krankenkasse. Weil die Konjunktur rundlief und die Beitragseinnahmen sprudelten, gaben zwei Dutzend Kassen ihren Mitgliedern etwas von ihrem Überschuss ab – beziehungsweise zurück. Der guten Nachricht folgte die schlechte jedoch gleich auf dem Fuße: Die Bundesregierung untersagte solche Prämien fortan wieder, weil derlei zu „einer ungewollten Dominanz des Preiswettbewerbs“ führe. Auch das Pendant, der Zusatzbeitrag für schlechte Zeiten, wurde abgeschafft.

Allerdings nur zum Schein: Mit einem Federstrich führten die Koalitionäre von Union und SPD den Sonderobolus im Anschluss flächendeckend ein – ohne dass die meisten Versicherten dies überhaupt mitbekamen. Denn anders als der alte Zusatzbeitrag wird der neue „Sonderbeitrag“ von 0,9 Prozent nicht mehr individuell von der Kasse eingezogen, sondern vom Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitnehmeranteil des allgemeinen Beitragssatzes einbehalten. Das ist für die Politik und die Kassen eine bequeme Lösung – solange beide Beiträge die Kosten decken.

Damit dürfte es bald vorbei sein. Die Reserven der Kassen schwinden, während die Ausgaben steigen – auch weil die Bundesregierung kostenträchtige Gesetze auf den Weg bringt. In der Folge werden sich die Kassen bei den Beiträgen wieder deutlicher unterscheiden als bisher. Da das bei den Leistungen kaum der Fall ist, müssen sich die teuren Kassen auf eine neue Fluchtwelle einstellen. Damit kehrt das System zwangsweise wieder zu jener „Dominanz des Preiswettbewerbs“ zurück, den Schwarz-Rot eigentlich beenden wollte. Aber solch seltsame Volten sind in der Gesundheitspolitik nichts Ungewöhnliches. Meist lassen die Verantwortlichen nur etwas mehr Zeit verstreichen.

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