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Es ist Zeit für eine Auflistung nach Stadtteil

Kriminalstatistik in Hannover Es ist Zeit für eine Auflistung nach Stadtteil

Das Lavieren der hannoverschen Polizei bei der Kriminalstatistik ist nicht akzeptabel – die Hannoveraner haben ein Recht zu erfahren, wie es um ihren Stadtteil steht, meint Conrad von Meding. Als Bürger will man sehen: Wo werden welche Straftaten begangen und wie viele davon? 

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Die Polizei in Hannover hat fünf Jahre lang detailllierte Daten gesammelt - jetzt sollten die Ergebnisse auch veröffentlicht werden.

Quelle: Symbolfoto

Der Satz des Bundesinnenministers ist legendär. „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“, sagte Thomas de Maizière im November 2015. Es war seine Begründung dafür, dass er keine Details zu den Terrorhinweisen nennen wollte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover geführt hatten.

Wer Fakten nicht benennt, setzt sich stets dem Verdacht aus, dass etwas vertuscht, verheimlicht, beschönigt werden soll. Dieser Verdacht drängt sich auch beim Geeiere der Behörden zur hannoverschen Kriminalstatistik auf.

Die Daten liegen vor

Andere Großstädte wie zum Beispiel Hamburg informieren ihre Bürger seit Jahren detailliert darüber, in welchen Stadtteilen welche Straftaten begangen werden. In Hannover aber wollte die Polizei erst gar nicht. Dann kündigte sie ein Langzeitprojekt an und sammelte fünf Jahre lang alle Daten, um auch Veränderungen zu dokumentieren. Nun liegt alles vor - wird aber noch immer nicht veröffentlicht. Man wolle die Stigmatisierung einzelner Stadtteile verhindern, berate sich noch mit Wissenschaftlern, heißt es. Das klingt ähnlich wie bei de Maizière: Als sollten Fakten die Öffentlichkeit nicht ungefiltert erreichen.

Polizeipräsident Volker Kluwe kündigt an, man wolle die neuen Daten mit Strukturdaten der Stadt ins Verhältnis setzen. Wo wohnen viele Arbeitslose? Wo sind viele Pendler oder Fußballchaoten unterwegs? In welchem Stadtteil ist wegen der Bevölkerungsstruktur das Dunkelfeld höher, werden also weniger Straftaten zur Anzeige gebracht? Niemand bestreitet, dass solche Fragen wichtig sind für die Polizeiarbeit. Als Bürger aber will man sehen: Wo werden welche Straftaten begangen und wie viele davon? Dass es in der City eine Ballung gibt, überrascht niemanden: Dort sind Taschendiebe unterwegs, gibt es Einbrüche in Geschäfte, gibt es Milieukriminalität. Das Mantra der Polizei allerdings, davon bekomme der Mitte-Bewohner nicht viel mit, hat in dieser Woche einen Knacks erhalten, als bei einer Schießerei hinterm Bahnhof eine Kugel die Scheibe einer Penthauswohnung durchschlug.

Zu den Kuriositäten der Woche gehört auch, dass aus dem Innenministerium Zahlen bekannt wurden, die Hannovers Polizei noch unter der Decke hält. Zwar noch keine Stadtteilstatistik, sondern nur Einzeldaten für die zehn Polizeiinspektionen und -kommissariate. Das ist noch unpräzise und auch etwas verwirrend. Klar ist aber jetzt: Die Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung in den Stadtteilen liegen im Prinzip vor. Die Polizei kann und muss jetzt liefern - und zwar Fakten. Ohne Filter.

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