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Kommentar zu Kuba Stück für Stück 
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Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist nach Kuba gereist. Dabei wurde er von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Denn es gilt:  Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ein Kommentar von Stefan Koch.

Frank-Walter Steinmeier zeigt sich als guter Wettkämpfer. Unmittelbar vor der Eröffnung der ersten US-Botschaft in Havanna seit 1961 stiehlt der deutsche Außenminister den Amerikanern – zumindest ein bisschen – die Show. Berlin und Washington hoffen gleichermaßen auf gute Startbedingungen beim einstigen Moskauer Vasallen. Jetzt heißt es: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Es ist ein vielsagendes Zeichen, dass sich Steinmeier nicht nur von seinen engsten Mitarbeitern, sondern auch von einer Wirtschaftsdelegation begleiten lässt. Neue Geschäftskontakte sind gern gesehen und beschleunigen den Prozess. Dennoch finden die Erkundungstouren der Kaufleute eher im Rahmenprogramm des Besuchs statt: Kuba, das ist für die heutige Politikergeneration eben mehr als nur eine verarmte Karibikinsel. In der so herrlichen Landschaft spiegeln sich all die politischen Konflikte wider, die das vergangene halbe Jahrhundert prägten. Es wächst die Hoffnung, dass die scheinbar endlosen Auseinandersetzungen nun endlich zu einem guten Ende kommen.

Gelöst sind die Probleme für die Kubaner durch die außenpolitische Öffnung noch längst nicht. Brutale Repressalien und politische Gefangene gehören weiterhin in Havanna zum Alltag. Obwohl die Castro-Brüder weiterhin ihr Land mit eiserner Faust führen, soll die Zusammenarbeit mit den USA und der EU nun Stück für Stück wieder neu aufgebaut werden. Auf beiden Seiten wächst die Sehnsucht nach Entspannung. Es gehört allerdings auch zur Wahrheit, dass die altgewordenen Revolutionäre sich weniger durch neue Einsichten leiten lassen. Sie gehorchen schlicht der Not, da ihre Verbündeten in Russland und Venezuela selbst mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Aber in der Politik kommt es eben manchmal auf die Gunst der Stunde an.

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