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Meinung Kunst ist 
nicht national
Nachrichten Meinung Kunst ist 
nicht national
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02:15 18.07.2015
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Im zur Novellierung anstehenden Kulturgutschutzgesetz geht es auch darum, „deutsches Kulturgut besser vor Abwanderung ins Ausland zu schützen“. „Schutz“ ist immer gut, „Abwanderung“ eher nicht. Und weil Monika Grütters (CDU), die Beauftragte der Bundesregierung, nur die hehrsten Absichten zu unterstellen sind, wundert sie sich über die Wogen, die nun von allen Seiten über ihr zusammenschlagen.

Dabei steht am Beginn dieser Erregungswelle ein Missverständnis. Denn obschon der Referentenentwurf vorsieht, Museumsbestände vor Abwanderung zu schützen, sind Leihgaben davon ausdrücklich ausgenommen. Man darf davon ausgehen, dass der Maler Baselitz dies wusste, seine lautstarke Rückholaktion also getrost als wohlfeilen PR-Coup werten. Eine so gute Gelegenheit, das eigene Werk zum „nationalen Kulturgut“ zu stilisieren, dürfte so schnell nicht wiederkommen. Dennoch sollten wir dem Malerfürsten dankbar sein, dass er die Debatte angestoßen hat. Denn jenseits des pauschalen Schutzes von Museumsbeständen wirft der Text der Novelle Fragen auf. Die wichtigste: Was ist „nationales Kulturgut“? Kurz gesagt ist es all das, was auf der betreffenden Liste steht. Die Länder führen sie, Experten entscheiden, was drauf kommt.

In Deutschland ist besondere Vorsicht mit dem Attribut „national“ geboten. Kunst bedarf des internationalen Austauschs, der Offenheit – und vieles von dem, was heute als potenzielles „nationales Kulturgut“ in unseren Museen hängt und steht, kommt aus dem Ausland. Das sollte bedenken, wer die Grenzen für den legalen Kunsthandel dichtmachen möchte. Und dies: Es hat in Deutschland schon einmal die Situation gegeben, dass Menschen, die das Land verlassen mussten, ihre Kunst nicht mitnehmen durften. Niemand sollte Gesetze auf den Weg bringen, die solcherart missbraucht werden können.

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