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Meinung Am Tag 
nach dem Beben
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nach dem Beben
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00:15 17.03.2016
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Eine Boulevardzeitung machte den Wahlsonntag schon vorab zum fetten Aufmacher: „Der Tag, der Deutschland verändert.“ Den tollsten Trommelwirbel aber lieferte die „heute-show“ mit einem Trailer wie für einen Weltuntergangsfilm: „Verschwindet das Deutschland, das wir kennen?“ Zu sehen waren lodernde, rauchende Schluchten, wo eben noch Straßen waren und Häuserblocks.

Heute, am Tag danach, geht dann immerhin doch wieder die Sonne auf. Auch für Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Entmachtung? Koalitionsbruch? Alles Unfug. Beide werden jetzt noch enger zusammenrücken. Denn die Lage nach dem Beben ist prekär. Die Gebäude sind nicht weg, aber Risse ziehen sich durch den Beton. Die drei zweistelligen Ergebnisse für die AfD addieren sich zu einem massiven Misstrauensvotum der Wähler. In Sachsen-Anhalt, ein schlimmer Befund, ist erstmals eine Koalition aus CDU und SPD nicht mehr groß genug zum Regieren. Wahr ist allerdings auch: Eine substanzielle Änderung der Politik im Sinne der EU-Gegner von der AfD wird durch all dies noch nicht erzwungen.

Das offene, aber robuste System der Bundesrepublik kann Erschütterungen abpuffern. Land und Leute haben schon diverse rechtsradikale Wellen kommen und gehen sehen, von Hochphasen der NPD bis zu Aufstieg und Fall der Republikaner, die in Baden-Württemberg einst ebenfalls zweistellige Ergebnisse feierten. Namentlich im Magdeburger Landtag saßen schon die seltsamsten Gestalten. Im Jahr 1998 zogen dort 16 DVU-Abgeordnete ein, die erst zackig auftraten, aber bald nur noch dümmlich wirkten. Pleitiers waren darunter, Kleinkriminelle, auch ein Tierquäler, der einen Schäferhund in den Brunnen warf.

Heute wie damals müssen sich radikale Neulinge in Parlamenten auf eine für sie unvorteilhafte Beleuchtung einstellen. Und heute wie damals muss die demokratische, europafreundliche Mitte in Deutschland trotz emotionaler Herausforderungen die Nerven behalten.

Jeder der bisherigen Ministerpräsidenten kann weiter regieren, wenn auch in teils neuen Konstellationen. In Baden-Württemberg liefen dem grünen Wahlsieger Winfried Kretschmann frühere Unionswähler gleich scharenweise zu. Ein Rechtsruck geht anders. Grün-Schwarz? Die Juniorrolle wäre die gerechte Strafe für eine Südwest-CDU, die keinen Kandidaten von Format aufzubieten vermochte.

In Mainz rettete die sympathische Sozialdemokratin Malu Dreyer nicht nur ihr eigenes Amt, sondern auch die Ehre ihrer SPD – die in Magdeburg und Stuttgart extrem gerupft wurde. In Magdeburg wiederum behält die CDU ihren Regierungschef Reiner Haseloff. Der könnte es, wenn es dazu reicht, mit Schwarz-Rot-Grün probieren. Das klingt exotisch. Doch es wäre in einer Zeit, in der EU-Gegner dröhnend eine neuartige Alternative für Deutschland fordern, ein kluger Konter: ein neuartiges Bündnis für Deutschlands europäischen Weg.

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