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Die Welt in Unordnung

Leitartikel Die Welt in Unordnung

In Syrien sind bereits mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Im UN-Sicherheitsrat hat es 20 Anläufe gegeben, um das Morden in Syrien zu geißeln. Weil sie alle vergeblich waren, fliegen im Land von Assad weiter Granaten und Fassbomben. Eine Analyse von Jörg Kallmeyer.

Er sollte einer der mächtigsten Männer der Welt sein, doch ihm bleibt nur das Klagen. „Nach mehr als vier Jahren des Tötens ist der Syrien-Konflikt ein beschämendes Symbol unserer Spaltung und unseres Versagens“, sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. In einem Moment, in dem eine ordnende Hand wichtiger ist denn je, präsentieren sich die Institutionen der Weltgemeinschaft so machtlos wie schon lange nicht mehr. Im UN-Sicherheitsrat hat es 20 Anläufe gegeben, das Morden in Syrien zu geißeln. Weil sie alle vergeblich waren, fliegen im Land von Assad weiter Granaten und Fassbomben.

In Syrien sind mehr als 250.000 Menschen ums Leben gekommen. Und es gibt in der Staatengemeinschaft keine Kraft, der es gelingen könnte, diesen Krieg zu stoppen. Daran sollte man denken, wenn man auf die Menschen zeigt, die in unseren Flüchtlingsunterkünften anklopfen. Sie kommen, weil ihnen in ihrer Heimat der sichere Tod droht. Und niemand kann ihnen versprechen, dass sich daran bald etwas ändern könnte.
Was hilft also ein Sicherheitsrat, der selbst nur Ratlosigkeit produziert?

Die Vereinten Nationen ordnen die Welt nach den Mustern, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg galten. Vieles davon ist überholt, manches verhindert sogar unmittelbar die Lösung von Problemen. Darum verstärkt sich der Eindruck, dass die Welt in Unordnung geraten ist. Russland blockiert mit seinem Veto-Recht eine UN-Resolution, die dem Morden im syrischen Bürgerkrieg ein Ende setzen könnte. Das ist ein Skandal. Aber auch die USA bekleckerten sich nicht mit Ruhm, als sie im vergangenen Jahr die Verabschiedung einer UN-Resolution gegen das überharte militärische Vorgehen Israels im Gaza-Konflikt verhinderten.

Die mit den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg begründete Vetomacht von fünf Nationen lässt sich nicht mehr aufrechterhalten. Weil die Vereinten Nationen die erforderliche Reform in den vergangenen, vergleichsweise entspannten Jahren versäumt haben, fällt es den Staaten nun leicht, in die altbekannten Muster des Kalten Krieges zurückzufallen: Verhinderst du mein Anliegen, blockiere ich deins. Das Ergebnis ist eine lange Liste des Versagens. Das jüngste Beispiel fällt besonders krass aus: Russland hat verhindert, dass ein UN-Tribunal die Verantwortlichen für den Abschuss der Passagiermaschine MH-17 über der Ukraine benennen kann. Mit der Kommission wollte man Moskau unter Druck setzen, bei der Aufklärung des Unglücks mit 298 Toten mitzuwirken.

Nach dem Scheitern der UN-Resolution wird es eine echte Aufklärung wohl nie mehr geben. Mit der Ordnung in der Welt gehen also auch Errungenschaften der Zivilisation verloren. Darf man wirklich ungestraft eine Linienmaschine mit hunderten unschuldigen Reisenden aus aller Welt abschießen? Wir waren schon einmal weiter.

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