Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Ein unruhiges Jahr hat begonnen
Nachrichten Meinung Ein unruhiges Jahr hat begonnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 10.01.2016
Von Stefan Winter
Anzeige

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind im Weltmaßstab eben doch nicht so glänzend wie gedacht. Und einer der größten Unsicherheitsfaktoren hat sich jetzt nachdrücklich in Erinnerung gerufen: In China flüchten die Anleger so eilig aus den Aktien, dass der Handel am Donnerstag schon nach einer halben Stunde gestoppt wurde. Der Wert der Landeswährung Yuan bröckelt.

Dahinter steht, wie fast immer an den Finanzmärkten, eine Vertrauenskrise. Dass China nach dem jahrelangen Boom in eine neue Phase eintritt, haben inzwischen alle verinnerlicht. Die Staats- und Parteiführung fand dafür den eingängigen Begriff des „new normal“, der neuen Normalität, deren Wirtschaftswachstum immer noch bei 6  bis 7 Prozent pro Jahr liegt. Aber liegt es da wirklich? Die meisten Experten zweifeln die offiziellen Statistiken des autoritären Staats an, vermuten deutlich niedrigere Werte, haben aber keine Gewissheit – darin liegt der erste Grund der Vertrauenskrise.

Seit ersten Börsenunruhen im vergangenen Sommer versucht die Regierung gegenzusteuern und wirkt dabei gelegentlich, als wolle sie Aktienkurse wie Fünfjahrespläne beschließen. Im Niemandsland zwischen autoritärem Kommunismus und entfesseltem Kapitalismus wirkt Chinas Führung bisweilen geradezu hilflos – auch das weckt kein Vertrauen. Zudem verfallen chinesische Anleger, die ihre ersten prägenden Erfahrungen in einem Börsenkasino ohne großes Verlustrisiko machten, noch schneller in Panik als ihre westlichen Kollegen. China, das ahnt man jetzt rund um den Globus, steckt in einer äußerst schwierigen Phase und wird noch für manche Unruhe gut sein.

Was an den dortigen Börsen geschehen ist, darf man getrost einen Crash nennen. Was davon in Deutschland ankommt, ist allerdings bislang nur etwas Gerüttel, und es sieht nicht so aus, als würde schon bald mehr daraus. Schließlich ist bei allen Zweifeln an Pekings offiziellen Wachstumszahlen immerhin noch keine Rede von Rezession in China. Jetzt spüren zwar viele deutsche Unternehmen ein Auslaufen des China-Booms in ihren Auftragsbüchern, aber nur für wenige ist es ein wirklicher Schlag ins Kontor. Es bleibt vor allem dabei, dass in Europa die Notenbank weiter für ungebremste Geldflut sorgt. Mangels lukrativer Alternativen wird davon auch weiterhin viel in Aktien angelegt werden und immer wieder die Kurse stützen. Doch Nervenproben wird es noch viele geben. Das Börsenjahr hat unruhig begonnen, und unruhig wird es angesichts vieler Konflikte – wirtschaftlicher und politischer – auch bleiben.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Kommentar - Kreuther Geist

Angela Merkel hat Horst Seehofer beim Kreuther Traditionstreffen nicht grünes Licht für dessen Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge gegeben. Aber die Kanzlerin war in Kreuth klug genug, um auf das wichtigste Prinzip der Union hinzuweisen: Es gebe viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Ein Kommentar von Dieter Wonka.

09.01.2016

Nordkorea behauptet eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Militärexperten bezweifeln das. Doch selbst wenn sich bei Messungen bestätigen sollte, dass Jungdiktator Kim Jong Un mal wieder gelogen hat, sollte nicht verkannt werden, wie brutal und menschenverachtend er und sein Regime bleiben. Eine Analyse von Felix Lee.

09.01.2016

Schärfere Waffengesetze scheitern in den USA immer wieder im Kongress an den Republikanern. Barack Obama will es nun im Alleingang versuchen. Sollte er sein Minimalziel erreichen, die Überprüfung von Waffenkäufern zu verbessern, dürfte dies Menschenleben retten. Ein Kommentar von Anne Steinmetz.

08.01.2016
Anzeige