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Meinung Nur noch kurz Europa retten?
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00:18 29.06.2015
Von Matthias Koch
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Königin Elizabeth II. hält sich normalerweise raus aus der Politik, schon seit der Thronbesteigung im Jahr 1952. Umso bedeutsamer ist, was die 89-Jährige diese Woche im Schloss Bellevue sagte: „Wir wissen, dass die Spaltung Europas gefährlich ist und dass wir uns dagegen zur Wehr setzen müssen, im Westen wie im Osten unseres Kontinents.“

Die britische Königin beschreibt die Spaltung Europas als Gefahr? Solche Töne aus London sind neu, erst recht aus dem Königshaus. Die Monarchin hat sich erlaubt, mal eben einzugreifen in die Debatte der Briten über ihren Verbleib in der EU. Doch es geht um mehr. Die alte Dame hat eine strenge, ernste Ermahnung an den gesamten alten Kontinent gerichtet. Die Botschaft lautet, frei übersetzt: Es wird Zeit, dass sich alle in Europa mal wieder ein bisschen zusammenreißen.

In der Tat täte es auch der festgeklemmten Griechenland-Debatte gut, mal innezuhalten und das Ganze in den Blick zu nehmen. Seit 70 Jahren arbeiten kluge Europäer auf ein geeintes Europa hin. Dieser Prozess kannte immer nur eine Richtung: ein immer engeres Zusammenwirken. Europa wurde auf diese Art nach und nach sicherer denn je, auch reicher und einflussreicher.

Will man jetzt allen Ernstes eine historische Schubumkehr zulassen? Erst Grexit, dann Brexit: So kann man Europa nach und nach auch wieder zerlegen. Der Preis, der dafür zu zahlen wäre - wirtschaftlich, weltpolitisch, am Ende auch kulturell - liegt weit außerhalb aller Excel-Tabellen von EZB und IWF.

Die Griechen, da hat Alexis Tsipras ja recht, brauchen eine neue Perspektive. Ganz ohne Schuldenschnitt wird es nicht gehen. Der erste Schritt aber, da wiederum hat Angela Merkel recht, muss darin liegen, dass Tsipras die jetzt verhandelten Punkte bitte unten rechts unterschreibt. Springt der Tiger endlich durch den Reifen? Historische Stunden nahen.

Entweder wird Griechenland europäischer. Oder Europa lässt sich spalten, wird kraftlos und in bestimmter Hinsicht griechischer: Es gibt globale Machtzentren, denen es gefiele, den Europäern im 21. Jahrhundert nur noch eine Rolle zu geben, wie sie gebildete griechische Sklaven in Rom hatten, als Lehrer, Museumswärter oder Diener, die der Herrschaft höflich sagen, bei welcher Temperatur man Rotwein trinkt. Die Macht läge bei anderen: beim chinesischen Investor, bei Google, bei Gazprom.

Nur noch kurz Europa retten? Alles an diesem Wochenende? Das wird so nicht gehen. Der Ausweg liegt nicht in Mehrwertsteuersätzen oder Rentenformeln. Der alte Kontinent braucht ganz neue Ideen, neuen Schub. Und er muss als Erstes, ganz im Sinne der Queen, Nein sagen zu jeder neuen Spaltung.

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