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Putin als Chance für Syrien?

Analyse Putin als Chance für Syrien?

Der russische Präsident verhandelt mit eingeschworenen Assad-Gegnern wie Saudi-Arabien und koordiniert sich mit Israel. Wladimir Putin hat in Syrien die Initiative übernommen. Ein Triumph der Dschihadisten in ganz Syrien lässt sich zurzeit nur mit Russland und dem syrischen Regime verhindern. Eine Analyse von Martin Gehlen.

Randvoll beladene Kriegsschiffe aus Moskau durchqueren in diesen Tagen den Bosporus in Richtung Syrien, russische Kampfjets stehen bereits zu Dutzenden auf dem Rollfeld in der Hafenstadt Latakia. Der russische Präsident verhandelt mit eingeschworenen Assad-Gegnern wie Saudi-Arabien und koordiniert sich mit Israel. Wladimir Putin hat in Syrien die Initiative übernommen.

Das Geschehen in dem geschundenen und geteilten Land verteilt sich mittlerweile politisch wie territorial auf zwei Schauplätze. Zum einen geht es um das künftige Machtarrangement in einem Restsyrien entlang der Küste, in dem noch die Hälfte der verbliebenen syrischen Bevölkerung lebt. Zum anderen geht es um das Gebiet des „Islamischen Kalifates“ sowie das Vorrücken der radikalen Al-Nusra-Front in Nord- und Ostsyrien, deren „Gotteskrieger“ unter allen Umständen und bis zur Eroberung von Damaskus weiterkämpfen wollen.

Putin winkt nun mit einer doppelten Offerte. Zuerst fordert er eine nationale Übergangsregierung für das Post-Assad-Syrien mit einer - zeitlich befristeten - Beteiligung von Bashar al-Assad und Repräsentanten der moderaten Opposition. Anschließend soll eine massive internationale Militärfront aus den USA, Russland und Europa, Iran, Türkei, den Golfstaaten, Irak, Ägypten und der Armee Syriens die IS-Krieger besiegen. Assad hat mehr als 250.000 Tote auf dem Gewissen. Wenn nun Bundeskanzlerin Angela Merkel als erste europäische Regierungschefin fordert, ebenjener Assad müsse in Friedensgespräche einbezogen werden, zeigt das nur, wie schlecht die anderen Optionen erscheinen. Ein Triumph der Dschihadisten in ganz Syrien lässt sich zurzeit nur mit Russland und dem syrischen Regime verhindern.

Putins Angebot ist eine Chance. Allein schon, wenn es gelänge, die Fassbombenangriffe des Regimes auf die eigenen Landsleute durch Verhandlungen zu stoppen, könnte das die Fluchtwelle aus Syrien schlagartig reduzieren. Zudem könnte Putin den Westen mit dem Argument ködern, die neue russische Militärpräsenz werde eine unbeschränkte Dominanz von Iran und Hisbollah in dem Mini-Syrien am Mittelmeer verhindern - eine Perspektive, der sich auch Israels Premier Benjamin Netanjahu zugänglich zeigte. Syrien liegt in Trümmern und wird nie wieder zusammenfinden. Europa und die USA haben diesem historischen Debakel von Anfang an zugesehen. Und so wird, sollte es für den verbliebenen Rumpfstaat zu einer Friedensregelung kommen, diese eine russisch-iranische Handschrift tragen.

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Dutzende Tote
Putin hatte am Montag mit US-Präsident Barack Obama über ein Vorgehen gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und über die Rolle Assads in einem politischen Übergangsprozess gesprochen.

Russland hat mit Luftangriffen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien begonnen. Die Bombardierung fand in der Nähe der Stadt Homs im Zentrum des Landes statt, wie ein US-Regierungsvertreter mitteilte. Bie den Angriffen sollen mindestens 27 Menschen getötet worden sein.

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