Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Putin als Chance für Syrien?
Nachrichten Meinung Putin als Chance für Syrien?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 27.09.2015
Anzeige

Randvoll beladene Kriegsschiffe aus Moskau durchqueren in diesen Tagen den Bosporus in Richtung Syrien, russische Kampfjets stehen bereits zu Dutzenden auf dem Rollfeld in der Hafenstadt Latakia. Der russische Präsident verhandelt mit eingeschworenen Assad-Gegnern wie Saudi-Arabien und koordiniert sich mit Israel. Wladimir Putin hat in Syrien die Initiative übernommen.

Das Geschehen in dem geschundenen und geteilten Land verteilt sich mittlerweile politisch wie territorial auf zwei Schauplätze. Zum einen geht es um das künftige Machtarrangement in einem Restsyrien entlang der Küste, in dem noch die Hälfte der verbliebenen syrischen Bevölkerung lebt. Zum anderen geht es um das Gebiet des „Islamischen Kalifates“ sowie das Vorrücken der radikalen Al-Nusra-Front in Nord- und Ostsyrien, deren „Gotteskrieger“ unter allen Umständen und bis zur Eroberung von Damaskus weiterkämpfen wollen.

Putin winkt nun mit einer doppelten Offerte. Zuerst fordert er eine nationale Übergangsregierung für das Post-Assad-Syrien mit einer - zeitlich befristeten - Beteiligung von Bashar al-Assad und Repräsentanten der moderaten Opposition. Anschließend soll eine massive internationale Militärfront aus den USA, Russland und Europa, Iran, Türkei, den Golfstaaten, Irak, Ägypten und der Armee Syriens die IS-Krieger besiegen. Assad hat mehr als 250.000 Tote auf dem Gewissen. Wenn nun Bundeskanzlerin Angela Merkel als erste europäische Regierungschefin fordert, ebenjener Assad müsse in Friedensgespräche einbezogen werden, zeigt das nur, wie schlecht die anderen Optionen erscheinen. Ein Triumph der Dschihadisten in ganz Syrien lässt sich zurzeit nur mit Russland und dem syrischen Regime verhindern.

Putins Angebot ist eine Chance. Allein schon, wenn es gelänge, die Fassbombenangriffe des Regimes auf die eigenen Landsleute durch Verhandlungen zu stoppen, könnte das die Fluchtwelle aus Syrien schlagartig reduzieren. Zudem könnte Putin den Westen mit dem Argument ködern, die neue russische Militärpräsenz werde eine unbeschränkte Dominanz von Iran und Hisbollah in dem Mini-Syrien am Mittelmeer verhindern - eine Perspektive, der sich auch Israels Premier Benjamin Netanjahu zugänglich zeigte. Syrien liegt in Trümmern und wird nie wieder zusammenfinden. Europa und die USA haben diesem historischen Debakel von Anfang an zugesehen. Und so wird, sollte es für den verbliebenen Rumpfstaat zu einer Friedensregelung kommen, diese eine russisch-iranische Handschrift tragen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Analyse zum Winterkorn-Rücktritt - Was Volkswagen jetzt braucht

Binnen weniger Monate hat sich das einstige Traumduo Piëch/Winterkorn nun selbst vom Platz gestellt. Es hinterlässt einen in noch unbekanntem Ausmaß taumelnden Industriegiganten. VW muss jetzt sich strukturell und kulturell erneuern. Eine Analyse von Lars Ruzic.

26.09.2015

Am Dienstag wurde Frank Bsirske zum Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wiedergewählt. Mit 88,5 Prozent der Stimmen fiel die Wiederwahl aber deutlich geringer aus als vor vier Jahren. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

25.09.2015
Meinung Leitartikel zum VW-Skandal - Zurück zur Wahrheit

Volkswagen hat sich vom Volkstümlichen entfernt: In diesen Tagen ahnt man, dass das Bild des großen, mächtigen, aber auch wohlwollenden Autoherstellers ein Trugschluss gewesen sein könnte. Eine Analyse von Dirk Schmaler.

Dirk Schmaler 25.09.2015
Anzeige