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Meinung Unheimliche Nähe aus alter Zeit
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02:15 26.12.2015
Von Michael B. Berger
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Es ist mal wieder soweit. Dass es soweit kommt, war vorhersehbar. Und dennoch bleibt eine gewisse Unruhe. So fest der Termin auch steht, so labil scheint die Gemütslage. Bei manchen pendelt sie zwischen Erwartung und Überforderung. Sicher ist: Kaum jemanden ist Weihnachten völlig gleichgültig. Nur das Wetter ist variabel und widerlegt jenen Mythos, der zumindest in Deutschland weit verbreitet ist. Wenigstens weiß soll sie sein, die Weihnacht. Ein frommer Wunsch, der nur selten wahr wird in unfrommen Zeiten.

Unser Land brauche die Weihnachtsbotschaft dringender denn je, hat der bayerische Bischof und oberster deutscher Protestant Heinrich Bedford Strohm als Tageslosung herausgegeben. Dabei ist das Fest, dieses Familien- oder auch Anti-Familienereignis schlechthin, von Botschaften geradezu fürsorglich umlagert. Welche nur soll man sich zu Herzen nehmen? Gute Wünsche allerorten; Frieden, nochmal Frieden. Und: Habt keine Angst. Und: Wir packen das – obwohl doch die Ungewissheit steigt. Etwa, ob das Wohlstandsversprechen noch so zu halten ist, das als heimlicher Gründungsmythos Nachkriegsdeutschlands gelten kann. Wer soll das bezahlen, brummt derweil der weihnachtliche Hintergrundchor: Erst Griechenland, dann das Rentenproblem und jetzt die vielen, vielen Flüchtlinge ...

Keine Frage: Der gute Wille ist ebenso da wie der Widerspruch. Doch die spannende Frage des kommenden Jahres wird sein, wie viel Widerspruch verträgt das politische System dieses Landes? Am guten Willen der Anderen wird es nicht scheitern, im Gegenteil. Das Lob, das Politiker allerorten den vielen Ehrenamtlichen in den umgerüsteten Messehallen, Warenmärkten, Kasernen und anderen Liegenschaften zollen, ist Selbstlob und Selbstbeschwörung in einem. Wir packen das wirklich. Aber warum in aller Welt denn auch nicht?

Allerdings macht zu viel Moral die Debatte darüber, was eine Gesellschaft leisten kann und was nicht, schwieriger. Ja, manchmal führt sie zu unheiliger Konfrontation. Denn die Frage muss gestellt werden können, was leistbar ist und was nicht mehr. Auch wenn das Asylrecht tatsächlich keine Obergrenzen kennt und es absolut unchristlich wäre, die Menschen einfach im Mittelmeer ersaufen zu lassen.

Es ist alles eine Frage der Perspektive. Hinhören lohnt sich, etwa auf die unzähligen Geschichten von Flucht und Vertreibung, die man jetzt zu hören bekommt. Die Weihnachtsgeschichte ist eine davon, auch wenn es wahrscheinlicher ist, dass sich Maria und Josef auf den Weg gemacht haben, um dem römischen Zensus zu entgehen, der im damals von den Römern besetzten Israel brutal eingetrieben worden sein soll. Haben Zeitzeugen berichtet. Manche nannten die Steuer auch das „Blutgeld“. Ein Blick in die biblische Antike zeigt bereits, wie unheimlich nah uns der Mittelmeerraum seit mehr als 2000 Jahren ist.

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