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Die Woche der Diplomatie

Leitartikel zu Syrien Die Woche der Diplomatie

Es wäre arg übertrieben das Treffen zwischen Barack Obama und Wladimir Putin am Montag als eine Wende in der Syrien-Krise auszumachen - auch wenn es die erste persönliche Verabredung der beiden seit Langem ist. Und doch: es gibt Anlass zur leisen Hoffnung.  Eine Analyse von Marina Kornbaki.

Es sind drastische Worte, mit denen der Sprecher von Außenminister Frank-Walter Steinmeier kürzlich den Stand der Verhandlungen in der Syrien-Frage beschrieb: Es herrsche ein „diplomatischer Stellungskrieg à la Verdun“. Und es sind wahre Worte. Weil seit den ersten glücklosen Genfer Friedensverhandlungen vor drei Jahren auf diplomatischer Ebene nichts vorangeht zur Beendigung dieses monströsen Krieges und sich jede der unüberschaubar vielen Parteien in und abseits der Kampfzone in ihrem Schützengraben eingerichtet zu haben scheint.

Man hat sich daher angewöhnt in den fast fünf Jahren, die der Syrien-Krieg schon währt, jedem angeblichen Zeichen der Hoffnung mit Misstrauen zu begegnen. Es wäre zum Beispiel arg übertrieben, im Treffen zwischen Barack Obama und Wladimir Putin am Montag eine Wende ausmachen zu wollen – auch wenn es die erste persönliche Verabredung der beiden seit Langem ist. Und doch gibt es Anlass zur leisen Hoffnung, dass jetzt wirklich mal etwas passiert, womit das Leid der Menschen in Syrien gemindert werden könnte. Denn die Begegnung Obama–Putin sowie all die anderen Gespräche, die heute und in den nächsten Tagen in den Räumen und Fluren des Hauptquartiers der Vereinten Nationen in New York geführt werden, fallen in einen Moment, in dem Amerikaner, Russen, Europäer, Iraner und Araber großen Handlungsdruck empfinden.

Dafür gibt es zwei vordringliche Gründe. Erstens: Mit der Flüchtlingskrise spüren die Europäer die Folgen des Krieges unmittelbar. Zweitens: Russische Panzer auf syrischem und russisch-iranische Zusammenarbeit auf irakischem Gebiet mit dem Ziel, den IS aufzuhalten, schrecken Amerikaner und Araber auf. Es muss was geschehen, darin sind sich alle einig. Nur was? Und mit welchem realistischen, einvernehmlichen Ziel? Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, droht die dem Handlungsdruck der Stunde innewohnende Chance zur Bedrohung zu werden. Von blindem Aktionismus hat der Nahe Osten zuletzt viel zu viel gesehen.

Assads Brutalität und Putins Zynismus bringen den Westen in größte Verlegenheit. Es wird vielleicht schwer erträgliche Bilder und Kompromisse geben: Merkel, Obama und Hollande neben Assad, der sich mit ihrem Einverständnis noch eine Weile an der Macht hält, sich als Stütze im Kampf gegen den IS inszeniert – ausgeschlossen ist das nicht. Aber Gespräche müssen sein. 250.000 tote Syrer. Zugucken und Nichtstun verbieten sich.

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Dutzende Tote
Putin hatte am Montag mit US-Präsident Barack Obama über ein Vorgehen gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und über die Rolle Assads in einem politischen Übergangsprozess gesprochen.

Russland hat mit Luftangriffen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien begonnen. Die Bombardierung fand in der Nähe der Stadt Homs im Zentrum des Landes statt, wie ein US-Regierungsvertreter mitteilte. Bie den Angriffen sollen mindestens 27 Menschen getötet worden sein.

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