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Meinung Und was kommt nach Gott?
Nachrichten Meinung Und was kommt nach Gott?
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02:15 17.04.2017
Von Simon Benne
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Hannover

In ihren Schreiben zum Osterfest überbieten sich Kirchenvertreter derzeit wieder mit frohen Botschaften: „Ostern will uns Mut machen“, erklärt Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche. Und Hannovers Landesbischof Ralf Meister sagt, dass die Auferstehung Christi das Leben mit Hoffnung durchdringen könne.

Dass Jesus tatsächlich am dritten Tage auferstanden ist von den Toten - so weit reicht der Glaube der meisten Deutschen wohl nicht mehr. Im Leben von immer mehr Menschen spielt Religion gar keine Rolle. Doch nicht immer sind gesunde Skepsis und aufgeklärter Humanismus an die verbliebene Leerstelle getreten.

Der Philosoph Hans-Joachim Höhn hat schon vor Jahren eine „Diffusion von Religiösem und Säkularem“ konstatiert; etwa wenn Fans in Fußballstadien weltliche Liturgien zelebrieren. Durch viele Hintertüren kehrt die Religion demnach in unseren Alltag zurück. Und unerwartet sickert ein bisschen von ihr auch in die Sphäre des Politischen ein. „Postfaktisch“ wurde zum Wort des Jahres gekürt, weil ein Denken auf dem Vormarsch ist, bei dem überprüfbare Tatsachen nicht mehr den Ausschlag dafür geben, ob jemand etwas für wahr hält.

In einer immer komplizierteren Welt kann Gott für den Glaubenden die Instanz sein, die all jene Zusammenhänge ordnet, die er selbst gedanklich nicht mehr ordnen kann. Bei Gott laufen alle Fäden zusammen, sind alle Widersprüche aufgehoben. Die Entwirrung aller Komplexitäten kann ein Gläubiger getrost ins Metaphysische delegieren, denn er weiß ja: Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade.

In einer Welt ohne Gott ist das Bedürfnis, Klarheit über Ursachen und Wirkungen zu haben, nicht geringer geworden - mit der Gefahr, dass für einige Zeitgenossen anstelle des Allmächtigen jetzt innerweltliche Mächte herhalten müssen, um die Welt zu erklären. Verborgene Mächte, hinter denen nur Verschwörer stecken können.

Es ist inzwischen fast Gemeingut, dass es eine große, allgemeingültige Wahrheit gar nicht gibt, weil jeder Mensch seine eigene, individuelle Wahrheit hat. Dabei droht der oft beschriebene Rückzug in die eigene Echokammer: In der digitalen Sphäre nimmt jeder nur noch jene Nachrichten zur Kenntnis, die sein eigenes Weltbild bestätigen. Jeder wird zum Baumeister seiner eigenen Wirklichkeit - doch Fakten und Wahrheit bleiben dabei auf der Strecke.

Die Vorstellung, dass es jenseits des rational Überprüfbaren noch etwas gibt, hatte traditionell ihren Platz in der Religion. Heute droht sie, das politische Denken ganzer Bevölkerungsgruppen zu prägen, die sich in den Kokon der eigenen Weltsicht einspinnen. Ausgerechnet unsere scheinbar so glaubensferne Zeit könnte sich noch als ziemlich leichtgläubig erweisen.

Die Spitzen der wichtigsten Wirtschafts-, Finanz- und Handelsorganisationen der Welt kommen einmal im Jahr bei Angela Merkel vorbei. Und das nicht um sonst: Unser Land steht weit besser da als die meisten Industrieländer – das sollten wir nutzen, meint RND-Redakteur Andreas Niesmann. Ein Kommentar.

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