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Die Ehe bleibt dem
 Papst am heiligsten

Leitartikel Die Ehe bleibt dem
 Papst am heiligsten

Auf der Suche nach einem modernen Verständnis von ehelicher Gemeinschaft und Familie tut sich die katholische Kirche schwer. Bei der Familiensynode zeichnet sich ab, dass kaum grundlegende Änderungen im Familienbild verkünden wird. Eine Analyse von Reinhard Urschel.

Auf der Suche nach einem modernen Verständnis von ehelicher Gemeinschaft und Familie tut sich die katholische Kirche derzeit schwer. Genauer gesagt, sind es eher etliche Bischöfe als Laien. Vielleicht würde es ihnen helfen, sich die Figur der Maria Magdalena im Neuen Testament ein wenig näher anzuschauen. Sie war, nach dem damaligen und wohl auch dem heutigen Verständnis von Moral, eine Sünderin, aber Jesus hat sich ihrer ganz besonders angenommen. Er hat die Frau aufgenommen in seine Jüngerschaft, wenn man so will, gehörte sie im weiteren Sinn zu seiner Familie. Sie hat es ihm gedankt mit großer Anhänglichkeit, sie stand zu ihm bis zu seinem Tod am Kreuz.

Um Menschen wie Maria Magdalena geht es bei der Familiensynode, die Papst Franziskus im Vatikan einberufen hat. Jetzt zur Halbzeit zeichnet sich ab, dass die Versammlung von Klerikern und Laien kaum eine grundlegende Änderung am katholischen Ehe- und Familienbild beschließen und verkünden wird. Anders als manche Gläubige und Außenstehende das womöglich erwarten. So offen sich der Jesuit auf dem Stuhl des Papstes auch gibt, am Kern des Sakramentes Ehe wird er nicht rühren, Abtreibung wird er niemals gutheißen. Die Heiligkeit der Ehe und der Schutz des Lebens, auch und vor allem des ungeborenen, gehören zum Kernbestand, heute würde man vielleicht sagen zum Markenkern der katholischen Kirche, und das soll auch so bleiben.

Wer eine Revolution von der Synode erwartet hat – etwa ein päpstliches Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe – wird enttäuscht werden. Es geht Franziskus nämlich nicht um eine Revolution, es geht ihm darum, dass Teile seines Führungspersonals sich gegenüber Menschen, die sie als Sünder bezeichnen, hartherziger verhalten, als Jesus Christus das gegenüber Maria Magdalena getan hat. Oder wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, gesagt hat: Es sei immer schwierig, Menschen zu vermitteln, sie gehörten ganz zur Kirche, wenn man sie zugleich als schwere Sünder bezeichne. Er hat das gesagt mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle. Aus der Sicht der Hardliner verharren diese im Zustand schwerer Sünde, ganz egal, wie ernsthaft sie ihre Nähe zu Gott leben.

Angesichts der Flüchtlingskrise schrumpfen die Nöte der Betroffenen auf ein geringeres Maß. Im Engagement für die Menschen auf der Flucht sind Papst, Bischöfe und Gläubige nahe beieinander. Im „Umgang mit Partnerschaften, die nicht der katholischen Lehre entsprechen“ aber muss man sich zusammenraufen, damit die Gläubigen das vielfach verloren gegangene Gefühl zurückgewinnen können, dass die Kirche ganz zu ihnen steht. Eine größer werdende Gruppe im Klerus, und zu dieser Gruppe gehört erfreulicherweise der Papst, verfährt nach der Devise, dass die Wirklichkeit über das Ideal zu stellen ist. Wie einst im Fall der Maria Magdalena.     

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