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Wer hilft
 den Helfern?

Flüchtlingskrise Wer hilft
 den Helfern?

In der Flüchtlingskrise in diesen Wochen läuft ohne die freiwilligen Helfer nicht viel. Sie sorgen dafür, dass die Aufnahme in menschlichem Rahmen geschieht. Doch was geschieht wenn der erste Schwung nachlässt? Der Bundesfreiwilligendienst wäre eine gute Möglichkeit, die Arbeit zu schultern. Ein Leitartikel von Jörg Kallmeyer.

Selten zuvor haben sich die Politiker so tief vor den Bürgern verneigt wie in diesen Tagen. Die Kanzlerin lobt die Menschen, die zu den Bahnhöfen eilen, wenn die Flüchtlingszüge ankommen. Die in Kleiderkammern und an vielen andern Punkten anpacken, wo die Verwaltung es nicht schafft. Nach Ansicht des EU-Kommissionspräsidenten haben die freiwilligen Helfer in der Not sogar den Ruf Europas gerettet.

Diese Verneigung der Politik ist mehr als angebracht. Die vielbeschworene Bürgergesellschaft war der Politik in der Flüchtlingskrise bisher immer einen Schritt voraus. Viele Deutsche, so scheint es, haben die Notwendigkeiten, die von der Fluchtwelle ausgehen, früher erkannt und vor allem akzeptiert als die Verantwortlichen in den Parlamenten und Behörden. Als sich die Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen noch ums Geld stritten, hatten Bürger die Sache längst in die Hand genommen. In vielen Notunterkünften läuft ohne Ehrenamtliche nicht viel. Hilfsorganisationen, Vereine, Feuerwehr oder einfach Nachbarschaften sorgen dafür, dass die Aufnahme in einem menschlichen Rahmen geschieht. Wenn es darum geht, die Flüchtlinge zu integrieren, wird sich der Staat auf die Ehrenamtlichen verlassen können. Ohne sie geht es nicht.

Auch das Ehrenamt aber hat Grenzen. Was ist, wenn der Winter kommt und der erste Schwung verflogen sein wird? Die staatlichen Institutionen müssen aufpassen, ihre freiwilligen Helfer nicht zu überfordern.

Berlin hat ein Instrument in der Hand, das bislang stiefmütterlich behandelt wurde: Der Bundesfreiwilligendienst, der den früheren Zivildienst ersetzt hat, ist eine wunderbare Möglichkeit, Freiwillige über einen längeren Zeitraum wirklich verlässlich einzubinden und ihnen zugleich mehr zu bieten als nur ein Schulterklopfen. Junge Leute, die nach der Schule etwas ausprobieren wollen, können dies in gesichertem Rahmen tun – mit einem Taschengeld, Einzahlungen in die Rentenkassen und mit einem Pluspunkt für das spätere Bewerbungsschreiben. Ältere Leute, die noch einmal eine Herausforderung suchen, können sie im Freiwilligendienst finden, ohne ganz auf einen Ausgleich zu verzichten.

Der Bund hat den Freiwilligendienst für die Flüchtlingskrise bislang nur zaghaft aufgestockt. Dies zu ändern wäre sinnvoller, als über die Verpflichtung von Langzeitarbeitslosen zu debattieren. Denn auch in diesem Fall gilt: Um Menschen kümmern sich diejenigen am besten, die es freiwillig tun.

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