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Wie geht’s uns denn?

Leitartikel zur Gesundheitswoche Wie geht’s uns denn?

Es ist auch immer eine Frage der Perspektive, wenn wir über Gesundheit reden: Patienten, Ärzte, Politik und Industrie – sie alle haben andere Interessen. Nicht immer passen die übereinander. Da ist es ganz gut, dass Forscher jetzt in einer großen Studie untersuchen, wie es um die Gesundheit der Deutschen wirklich bestellt ist.

Wer in diesen Tagen mit Ärzten spricht, bekommt schnell den Eindruck, dass es um unser Wohlbefinden nicht so gut bestellt ist. Weniger, weil wir kränker wären als früher – sondern weil wir unsere Gesundheit offenbar nicht mehr so recht einschätzen können. Wann ist man krank, wann gesund? Wann ist wirklich ein Arzt gefragt? Und muss es auch bei Halsweh immer gleich die Notaufnahme des Krankenhauses sein?

Klar ist: In Deutschland haben wir eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme weltweit – doch es stößt immer öfter an Grenzen. Durch die Demografie, den Sparzwang, aber auch durch die Patienten selbst. Manche verlieren mehr und mehr das Gefühl für den Körper – und die Geduld ebenso. Es passt in die Zeit: Warten ist nicht mehr unsere Stärke. Alles muss sofort passieren, alles muss erklärbar und lösbar sein. Aber selbst ein dummer grippaler Infekt kann sich nun einmal wochenlang hinziehen – daran vermag die ganze Hochleistungsmedizin nichts zu ändern.

Es ist auch immer eine Frage der Perspektive, wenn wir über Gesundheit reden: Patienten, Ärzte, Politik und Industrie – sie alle haben andere Interessen. Nicht immer passen die übereinander. Zugleich ist auch der Blick auf die Gesundheit der Deutschen von zwei Tendenzen geprägt, die ambivalent erscheinen: Da sind diejenigen, die in einen Optimierungswahn verfallen, bei denen gesunde Ernährung zur Obsession und Bewegung zur Ersatzreligion wird. Während andere die Verantwortung an Experten delegieren und das eigene Handeln davon abkoppeln – als sei der Körper in der Werkstatt vom Mechaniker wieder zu reparieren und dann zum Rasen freigegeben.

Wie passen diese gesellschaftlichen Tendenzen zueinander? Wahr ist: Wer ungesund lebt, kostet die Gemeinschaft Geld. Denn teure Behandlungen von Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind häufig Folge falscher Lebensweise. In vielen Ländern greift die Politik bereits ein: Mit einer Fett- oder Zuckersteuer, die Gewohnheiten verändern soll. Mit immer mehr Restriktionen für Raucher. Derlei Bevormundung ist mühsam, unfroh – und damit möglicherweise auch nicht der Königsweg.

Da ist es ganz gut, dass Forscher jetzt auch noch einmal ganz anders ansetzen. Wie es um die Gesundheit der Deutschen bestellt ist, ermitteln sie derzeit in der bisher größten Studie ihrer Art: 200 000 Menschen werden für die kommenden Jahre untersucht – auch in Hannover. So sollen wir mehr darüber erfahren, was krank macht und wie wir uns schützen können. Auch Umweltfaktoren werden einbezogen. Es ist auch der Versuch, die Gesundheit umfassender in den Blick zu nehmen. Damit wir weniger in Krankheiten denken als in deren Verhinderung. Ein gesunder Gedanke.

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