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Lernziel verfehlt

Analyse zur Integration Lernziel verfehlt

Integration funktioniert nur wenn sie schnell beginnt, wenn Migranten rasch passende Bildungsangebote bekommen, startend mit einem Deutschkurs, und wenn sie Gelegenheit bekommen zu arbeiten. Gelingt dies nicht, gibt es keine Integration, sondern das Gegenteil: Desintegration. Eine Analyse von Rüdiger Ditz.

Die Daten sind knapp 18 Monate alt, aber die Erkenntnisse brandaktuell. Der Datenreport 2016 zur sozialen Situation von Deutschen und speziell Migranten hierzulande enthüllt zwar eine Binsenweisheit, wie sie seit Generationen Ältere den Jüngeren predigen: Je höher die Bildung, desto besser sind die Chancen am Arbeitsmarkt, auf mehr Einkommen und höheren sozialen Status.

Aber angesichts der vielen Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten zu uns gekommen sind, muss man viele Teile des 482 Seiten starken Statistik-Kompendiums als Mahnung an die Politik verstehen. Oder, wie eine Autorin der Studie betonte: Mit Blick auf die aktuelle Situation vieler Geflüchteter müsse man lernen, „was wir anders und richtiger machen können“.

Dabei wird über die notwendigen Maßnahmen ja längst diskutiert, und teilweise werden sie auch umgesetzt: Die Erkenntnis setzt sich durch, dass Integration nur funktioniert, wenn sie schnell beginnt, wenn Migranten rasch passende Bildungsangebote bekommen, startend mit einem Deutschkurs, und wenn sie Gelegenheit bekommen zu arbeiten. Gelingt dies nicht, gibt es keine Integration, sondern das Gegenteil: Desintegration. Die Zuwanderer drohen abzurutschen - schlimmstenfalls in Schwarzarbeit und Kriminalität.

Die Regierung weiß das natürlich, und doch klappt vieles noch nicht. Die Asylverfahren dauern deutlich zu lange, weil entsprechend geschultes Personal fehlt. Abschiebungen werden zu selten konsequent vollzogen. Und für diejenigen, die bleiben dürfen, fehlt es an genügend Integrations-, Aus-, Fort- und Weiterbildungskursen, weil das Geld dafür nicht da ist. Verständlich ist das vielleicht, wenn man bedenkt, dass es die Notwendigkeit einer raschen Integration von sehr vielen Flüchtlingen erst gibt, seit Deutschland im Herbst 2015 seine Grenzen für die Menschen in Not öffnete.

Allerdings hat schon der Datenreport 2013 auf den Zusammenhang zwischen Bildung, Integration und sozialem Status hingewiesen. Merkwürdig, dass diese glasklare Erkenntnis immer wieder Impulse wie eine Flüchtlingskrise braucht. Denn natürlich gilt all das nicht nur für Migranten, sondern auch für Deutsche.

Vielerorts gibt es immer noch Defizite in der Betreuung von Vorschulkindern, entgegen allen Zielvorgaben der Politik. Schulen sind nicht ausreichend ausgestattet, um schwierige Fälle zu betreuen. Unternehmen beklagen den Bildungsstand potenzieller Auszubildender. Universitäten sind überfüllt.

Es wird also Zeit, dass die Politik allen schönen Ankündigungen und Bekenntnissen eine Menge Geld hinterherschiebt und die richtigen Investitionsziele intensiv erforscht. Ob wir von Flüchtlingen reden oder von Deutschen - in jedem Fall gilt der schöne Satz von US-Präsident John F. Kennedy: „Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

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