Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Linksaußen für London
Nachrichten Meinung Linksaußen für London
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 17.09.2015
Anzeige

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, in welch chaotischer Phase sich die britische Sozialdemokratie derzeit befindet, so ist er jetzt erbracht: Der Altlinke Jeremy Corbyn ist per Urabstimmung zum neuen Chef der Labour-Party gewählt worden. Statt sich zu überlegen, wie sie wieder in der Mitte der Gesellschaft wählbar werden kann, setzt die Partei auf alte, längst überholte Positionen.

Corbyn hat über Jahrzehnte sorgfältig sein Image eines extrem linken Politikers gepflegt. Er setzt sich für die Verstaatlichung von Betrieben ein, für einen Austritt aus der Nato und eine höhere Besteuerung reicher Bürger. Nichts von dem ist neu, vieles seit Langem als unrealistisch entlarvt. Dass Labour nun dennoch den 66-Jährigen Ideologen als Shootingstar feiert, sagt eine Menge über den maroden Zustand der Partei aus.

Corbyns Programm liest sich wie das Thesenpapier junger linker Gruppierungen. War die Partei mit ihrer 115-jährigen Geschichte nicht längst erwachsen geworden? Rund um die Jahrtausendwende gestaltete die damalige Labour-Regierung die wesentlichen Grundzüge der modernen britischen Politik – dazu gehörten der Mindestlohn, die massive Förderung der früheren Arbeiterregionen Nordenglands und eine nachhaltige Stärkung des staatlichen Gesundheitssystems NHS. Dazu gehörten aber auch eine moderne Wirtschaftspolitik und ein Bekenntnis zur Nato. New Labour nannte sich die Partei damals – und gewann mit Tony Blair drei Wahlen in Folge, zeitweise erdrutschartig.

Noch nie sind in Großbritannien Wahlen am Rande des politischen Spektrums gewonnen worden. Corbyn könnte Labour für die breite Mehrheit der Briten unwählbar machen. Er schiebt seine Partei zurück in eine Linksaußenposition – und damit vermutlich in Richtung Bedeutungslosigkeit.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Analyse zur Flüchtlingskrise - Deutschland braucht mehr Zeit

Diese Woche hat in der Flüchtlingskrise mehr Klarheit gebracht. Die Nothilfe in Deutschland läuft - und zwar überragend. Zugleich ist deutlich geworden, dass unser Land mehr Zeit braucht. Eine Analyse von Hendrik Brandt.

Hendrik Brandt 14.09.2015

Russland engagiert sich verstärkt in dem Bürgerkriegsgebiet Syrien und sieht in Machthaber Baschar al-Assad weiterhin einen wichtigen Baustein seiner Außenpolitik. Die neuesten Berichte über Truppenentsendungen zeigen, dass Putin Fakten schaffen will. Eine Analyse von Stefan Koch.

Stefan Koch 13.09.2015
Meinung Kommentar zu Erdogan - Türkischer Flächenbrand

Recep Tayyip Erdogan kämpft um die Macht. Und der türkische Präsident scheint bereit, alles seinen Ambitionen unterzuordnen – selbst den Frieden in seinem Land. Erdogan riskiert einen Flächenbrand, der das ganze Land zu erfassen droht. Eine Analyse von Gerd Höhler.

12.09.2015
Anzeige