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Lukrativer Deal
 für Stromfirmen

Kommentar Lukrativer Deal
 für Stromfirmen

Jahrelang haben die Energiekonzerne mit den Atommeilern glänzende Gewinne gemacht. Für die spätere Entsorgung des strahlenden Mülls haben sie aber nur Geld zurückgestellt, keine Rücklagen gebildet. Nun bietet die Atomkommission den Konzernen einen Deal an. Um überhaupt noch an Geld zu kommen. Ein Kommentar von Jens Heitmann.

Atomkraftwerke waren einmal eine Art Gelddruckmaschine für die Energiekonzerne. Weil die Meiler Tag und Nacht durchliefen und nur geringe Brennstoffkosten hatten, konnten sie den Strom sehr günstig produzieren und dank fehlender Konkurrenz trotzdem teuer an die Kunden verkaufen. Auf etwa eine Million Euro wurde der Gewinn eines Meilers in Glanzzeiten taxiert – pro Tag. Auch wegen dieser sicheren Einnahmequelle und entsprechend hoher Dividenden galten die Aktien von Eon und RWE früher als Witwen- und Waisen-Papiere. Über die Kosten für die Entsorgung des Atommülls machten sich anfangs nur wenige Gedanken – dafür wurden ja Rückstellungen gebildet.

Dass damit kein Geld auf der hohen Kante gemeint war, blieb der Öffentlichkeit lange verborgen. Rückstellungen sind keine Rücklagen – in einer Bilanz stehen sie für vorab gebuchte Schulden, die später zu bezahlen sind. Mit anderen Worten: Die Energiekonzerne müssen die Kosten für den Abriss ihrer Atomkraftwerke und die Endlagerung des Mülls aus dem laufenden Geschäft bezahlen. Zu Monopolzeiten wäre das wohl ohne Weiteres möglich gewesen – im Wettbewerb und angesichts der Energiewende sind daran Zweifel erlaubt.

Deshalb zieht die Atomkommission jetzt die Notbremse: Um überhaupt noch sicher an Geld von den Großversorgern zu kommen, bietet die Politik den Konzernen an, sich für einen fixen Betrag von der Verantwortung für den Atommüll freizukaufen. Natürlich geben sich die Konzerne redlich Mühe, über die Höhe der auferlegten Lasten zu klagen. Dennoch wäre es für sie ein lukrativer Deal: Falls die vom Gesetzgeber eingeforderten Milliarden eines fernen Tages nicht reichen sollten, muss – wohl oder übel – der Steuerzahler einspringen.

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