Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Mehr Aufklärung statt Panik beim Zika-Virus
Nachrichten Meinung Mehr Aufklärung statt Panik beim Zika-Virus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:31 01.02.2016
Von Marina Kormbaki
Anzeige

Die Weltgesundheitsorganisation hat aus der Ebola-Epidemie gelernt. Sie will sich nicht noch einmal dem Vorwurf aussetzen müssen, zu spät reagiert zu haben. Jetzt, da das Zika-Virus die Welt erschreckt, will die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan beweisen, dass ihre Behörde sehr wohl schnell und entschlossen Epidemien bekämpfen kann.

Die WHO hat nun beschlossen, aufgrund des in Lateinamerika grassierenden Erregers den globalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Das Zika-Virus verbreite sich „explosionsartig“, die Alarmstufe sei „extrem hoch“. Die WHO erweckt den Anschein, Zika sei das neue Ebola. Nach allem, was man bisher weiß, ist diese Gleichsetzung übertrieben.  

Überwiegend unbestätigte Verdachtsfälle

Es gibt begründete Zweifel an den Zahlen der WHO zu den Fehlbildungen bei Neugeborenen. So werden die rund 4200 bisher in Brasilien gemeldeten Verdachtsfälle zu „Fällen von Mikrozephalie“ erklärt, obwohl es sich – erstens – noch um überwiegend unbestätigte Verdachtsfälle handelt. Zweitens gehen brasilianische Gesundheitsbehörden  zurzeit auf Nummer sicher und legen die Diagnosekriterien sehr weit aus. Und drittens hinkt der WHO-Vergleich zwischen den jetzt „Tausenden Fällen“ von Schädelfehlbildungen mit jenen „wenigen Hundert“ aus früheren Jahren: Es werden aktuelle Daten aus Ultraschallmessungen bei Föten mit früheren Messungen bei Neugeborenen verglichen. Dabei sind Messungen im Mutterleib ungenauer als solche nach der Geburt.

Alarmismus hilft nicht weiter. Allerdings könnte die übersteigerte Angst zwei begrüßenswerte Nebeneffekte zeitigen. Zum einen dürfte die Bereitschaft der Pharmaindustrie zunehmen, endlich in die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Zika-Virus zu investieren. Zum anderen entfacht das Virus schon jetzt eine im katholischen Lateinamerika überfällige Debatte über ein Ende der harten Abtreibungsgesetze. Frauenrechtler fordern die Lockerung von Abtreibungsverboten. Ihre Befürchtung: Die Angst vor Fehlbildungen und der Aufruf einiger Regierungen, Kinderwünsche sicherheitshalber um ein paar Jahre aufzuschieben, würden dazu führen, dass noch mehr Frauen illegale und gefährliche Abtreibungen durchführen lassen werden als ohnehin schon.

Aufklären ist Gebot der Stunde

Der Ruf nach liberaleren Gesetzen ist berechtigt. Verheerend wäre jedoch, daraus den Schluss zu ziehen, Abtreibungen seien legitime Vorsichtsmaßnahmen gegen das Zika-Virus. Lokale und globale Gesundheitsbehörden müssen hier Aufklärung leisten. Ganz sachlich.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Immer mehr Menschen fragen, wie ihre Kommune die Flüchtlingskrise bewältigen soll. Das ist verständlich und vernünftig. Anders als vieles andere, was dieser Tage durchs Internet geistert, meint HAZ-Redakteur Felix Harbart.

Felix Harbart 02.02.2016

Nach monatelangem Dauerstreit wollte die Bundesregierung im Streit um die Zuwanderung endlich mal wieder gefallen. Die Frage liegt daher nahe: Wurden am Donnerstagabend im Kanzleramt politische Placebos verteilt? Eine Analyse von Ulrike Demmer.

01.02.2016

Falschmeldungen hat es schon immer gegeben. Behörden können irren, Informationen können falsch verstanden werden. Selten zuvor aber haben Falschmeldungen eine solche Wirkung ausgelöst wie jetzt. Und so sollte eine Woche der Beschäftigung mit Gerüchten, Halbwahrheiten und Behauptungen zumindest zur Nachdenklichkeit führen: Was läuft schief auf den Nachrichtenwegen? Eine Analyse von Jörg Kallmeyer.

Jörg Kallmeyer 31.01.2016
Anzeige