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Mehr Tempo für die A2

Unterm Strich Mehr Tempo für die A2

Mit einem Runden Tisch wollte Verkehrsminister Olaf Lies die Probleme auf der A 2 lösen. 
Aber die beschlossenen Maßnahmen greifen entweder nur kurz oder erst in Jahren. Andere Ideen sind gefragt, meint Tobias Morchner.

Im Jahr 2014 stieg die Zahl der sogenannten Baumunfälle in Niedersachsen in bislang ungeahnte Höhen. 850 solcher Unfälle mit getöteten oder schwer verletzten Verkehrsteilnehmern fanden sich in der Statistik des Landes. Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) reagierte umgehend: Das Thema habe höchste Priorität, ließ er verkünden, richtete ein 5 Millionen Euro umfassendes „Sonderprogramm Schutzplanke“ ein, startete in sechs Landkreisen eine groß angelegte Aufklärungskampagne, ließ programmierbare Tafeln an den Landstraßen aufstellen, die so griffige Slogans wie „Bäume springen nicht zur Seite“ anzeigten, und senkte an besonders kritischen die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 70. Die Zahl der Unfälle sank in der Folge wieder.

Auf der Autobahn 2 sind die Probleme seit Jahren ähnlich gravierend wie damals entlang der Landstraßen. Doch zur Chefsache hat der Verkehrsminister den Kampf gegen die Vielzahl der schweren und tödlichen Unfälle, meist mit Beteiligung von Lastwagen, auf der vielbefahrenen Ost-West-Tangente bislang nicht erklärt. Der Runde Tisch, zu dem Lies gemeinsam mit Innenminister Boris Pistorius (SPD) jetzt Experten der Polizei, der Verkehrswacht, des ADAC, der Landesbehörde für Straßenbau und des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe lud, brachte zwar eine Reihe von Lösungsansätzen hervor. Doch bei genauer Betrachtung sind diese kaum geeignet, sofort die Zahl der Verkehrsunfälle auf der A 2 zu senken.
An die großflächigen Fotos von demolierten Lastwagen, die demnächst zur Abschreckung entlang der Strecke aufgestellt werden sollen, werden sich die Fernfahrer ähnlich schnell gewöhnt haben wie an die weißen Holzkreuze, die vor Jahren die Strecke säumten. Nach spätestens zwei Wochen haben sich die Bilder abgenutzt, die Lkw-Fahrer kehren zu ihrem alten Fahrverhalten zurück.

Die meisten vom Runden Tisch erarbeiteten Vorschläge betreffen Gesetzesänderungen auf EU-Ebene. Bis also alle Sattelzüge, die auf der A 2 unterwegs sind, mit nicht abschaltbaren, automatischen Abstandshaltesystemen ausgerüstet sind, bis Abstandsverstöße, anders als heute, in der gesamten EU geahndet werden können, werden Jahre vergehen.

Doch was geschieht in der Zwischenzeit? Feuerwehr und Rettungsdienste werden weiter Woche für Woche auf die A 2 ausrücken müssen, um eingeklemmte und schwer verletzte Fernfahrer aus ihren Fahrzeugwracks zu befreien. Die Autobahnpolizei wird so gut es geht versuchen, mit dem wenigen Personal, das ihr zur Verfügung steht, Verkehrskontrollen auf der Strecke vorzunehmen. Ein Versuch übrigens, der in der vergangenen Woche kläglich scheiterte, weil der Verkehr auf der A 2, kein Witz, zu dicht war. Pendler werden weiterhin stundenlang in Staus stehen, der Schaden für die Volkswirtschaft wird weiter wachsen.

Dabei ließen sich durchaus bereits jetzt Hebel ansetzen, um die Schwierigkeiten auf der A 2 in den Griff zu bekommen. Die Baustellenorganisation durch die Landesbehörde gehört dringend auf den Prüfstand. Denn mit derzeit drei großen Baustellen zwischen Braunschweig-Watenbüttel und Wunstorf-Kolenfeld ist die Strecke schlicht zu stark belastet. Zudem muss auf der A 2 endlich moderne Technik zum Einsatz kommen. Es darf künftig nicht mehr, wie kürzlich geschehen, mehrere Tage dauern, bis herkömmliche Blechschilder besorgt und aufgestellt werden, um zwei für Pkws und Lkws unterschiedliche Tempolimits anzeigen zu können.

Dass die durch Staus entstehenden Verzögerungszeiten heutzutage ziemlich genau gemessen werden können, wissen alle Hörer der Verkehrsnachrichten im Radio. In Bayern sind längst Geräte im Einsatz, die diese Daten intelligent für die Steuerung der Verkehrsströme nutzen. Die Technik dafür stammt übrigens aus Niedersachsen.

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