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Mehr Wohnungen für die Städte

Analyse Mehr Wohnungen für die Städte

Wer den Wohnungsmarkt entspannen will, muss viel eher klotzen: Projekte wie die Wasserstadt Limmer mit vielen neuen Wohnungen können helfen. Denn es bleibt wichtig, dass sich die Mittelschicht Wohnungen in attraktiven Gegenden leisten kann. Eine Analyse von Conrad von Meding.

Jetzt bekommt auch Niedersachsen die Mietpreisbremse: Das Kabinett hat den Entwurf beschlossen, im Herbst soll sie Gesetz werden. Aber wird das bürokratische Instrument irgendwo irgendeine Miete absenken? Wird es eine preiswerte Wohnung entstehen lassen? Wohl kaum. Denn gegen Wohnungsmangel hilft nur eines: Wohnungen bauen.

Wer den Wohnungsmarkt entspannen will, muss klotzen: In Hannover startet in den nächsten Monaten mit dem großen Wohnquartier der Wasserstadt Limmer ein Neubauprojekt, das in wenigen Jahren bis zu 1800 neue Wohnungen schaffen soll. Familien wollen dort hinziehen, Senioren, Stadtrückkehrer – zum Teil warten sie seit Jahren darauf, dass der Wohnungsbau dort endlich beginnt.

Es ist ein wichtiger Schritt in der Landeshauptstadt, um Angebot und Nachfrage am Markt wieder näher zusammenzuführen. Dass es hier zum Teil eine Kluft gibt, spüren vor allem in Ballungsräumen alle, die eine Wohnung oder ein Haus suchen. Die Preise in den begehrten Lagen haben sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt – sowohl bei Kauf- als auch bei Mietobjekten. Das hat nicht nur etwas damit zu tun, dass in den Zentren der Republik die Bevölkerungszahlen steigen und lange Zeit viel zu wenig gebaut wurde. Sondern auch damit, dass vielen Menschen das Wohnen wieder etwas wert ist: Wer es sich leisten kann, will mehr Platz und ist bereit, mehr Geld für begehrte Lagen und Lebensqualität zu bezahlen. Quadratmeter-Kaltmieten von 13, sogar 14 oder 15 Euro waren in Städten wie Hannover bis ins vergangene Jahrzehnt undenkbar, Kaufpreise für gebrauchte Immobilien von bis zu 3500 Euro pro Quadratmeter ebenso. Doch jetzt ist die obere Mittelschicht plötzlich bereit, mehr Geld für das Wohnen auszugeben – das treibt die Nachfrage. Was aber ist mit denen, die sich diese Summen nicht leisten können?

Städte und Länder können den sozialen Wohnungsbau, aus dem sie sich vor Jahren verabschiedet haben, zwar wieder mit Millionen fördern. Damit aber löst man nur die Probleme derjenigen, die fast mittellos sind. Mindestens genauso wichtig ist, dass die normale Mittelschicht sich Wohnungen in attraktiven, innenstadtnahen Lagen leisten kann. Und das geht nur, wenn das Angebot an Wohnungen steigt. Sozial ist, was Wohnungen schafft, möchte man in Anlehnung an einen (umstrittenen) Spruch zur Arbeitsmarktpolitik heute sagen.

Mutige Projekte wie die Wasserstadt helfen dem Wohnungsmarkt mehr, als die Preisbremse es je können wird.     

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