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Merkels Regierung 
demontiert sich

Analyse Merkels Regierung 
demontiert sich

In der Bewältigung der Flüchtlingskrise überbieten sich die Regierungsmitglieder mit immer neuen Ideen, schließlich stehen bald Landtagswahlen an, und die AfD ist weiter im Aufwind. Auch überzeugen die Vorschläge die anderen Mitglieder Europäischen Union nicht, sich an der Lösung zu beteiligen. Eine Analyse von Marina Kormbaki.

Union und SPD wollen einen schnellen und deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen. Eigentlich ist so ein gemeinsames Ziel ja beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Wenn man willens ist, auch einen gemeinsamen Weg einzuschlagen. Aber nach Konsens ist in der Bundesregierung jetzt offenbar niemandem zumute. Lieber droht und widerspricht man einander, wobei die Frontenlinien zuweilen unklar sind.

Die CSU setzt der Kanzlerin und CDU-Chefin Merkel Ultimaten und droht, gegen eine Regierung zu klagen, der sie selbst angehört. CDU-Finanzminister Schäuble schlägt eine europäische Benzinsteuer zur Finanzierung der Integrationskosten vor und verschreckt damit die SPD sowie die eigenen Leute. Und nur kurz nachdem SPD-Wirtschaftsminister Gabriel Marokko und Algerien mit einer Kürzung der Entwicklungshilfe droht, wenn beide Länder nicht bald mehr abgelehnte Asylbewerber aufnehmen, weist CSU-Entwicklungsminister Müller die Idee zurück. Mit immer neuen, immer schrilleren Einfällen zur Bewältigung der Krise blockiert und blamiert sich die Bundesregierung.
Die verbale Kraftmeierei hat zwei Gründe. Erstens: Die Politiker wollen mit starken Worten das Bild vom hilflosen Staat vertreiben, das sich seit der Kölner Silvesternacht in den Köpfen vieler Bürger festgesetzt hat. Zweitens: Es herrscht Wahlkampf.    

In acht Wochen stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt an. In den drei Ländern verlieren laut Umfragen CDU und SPD Stimmen an die AfD – sie kann auf zweistellige Wahlergebnisse hoffen. Abschieben, abschrecken, abschotten – diese Forderungen kommen bei vielen Menschen an. Zugleich schwindet das Vertrauen in Merkel – immer weniger Bürger glauben, dass sich Merkels Hoffnung erfüllt: Wenn Deutschland bei der Aufnahme von Flüchtlingen großherzig voranschreitet, folgt der Rest Europas. Die meisten EU-Länder weigern sich jedoch, Flüchtlinge nach Quoten aufzunehmen. Sie sind nicht einmal willens, die der Türkei zugesagten 3 Milliarden Euro aufzutreiben, zur Linderung der Not in den Flüchtlingslagern.

Merkels Hoffnung ist auf europäischem Sand gebaut. Weil dies nun offensichtlich ist, setzen sich Unionspolitiker und Sozialdemokraten von der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin ab. Ein großes Schauspiel, in dem viele den Hardliner geben wollen. Das kann fatale Folgen haben, innen- und außenpolitisch: Jede laut vorgebrachte Forderung nach mehr Härte legt die Schwäche des Rufers bloß – die Wähler wissen ja, dass es oft nicht an Gesetzen fehlt, sondern an Beamten, die bestehendes Recht umsetzen. So macht sich Politik unglaubwürdig. Zudem taugt der panische Chor der Großen Koalition gewiss nicht dazu, die EU-Partner davon zu überzeugen, sich an der deutschen Asylpolitik ein Beispiel zu nehmen. Im Gegenteil: Er schreckt ab.

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