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Schulpolitik hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht

Kommentar zum Schulbeginn Schulpolitik hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht

Am Donnerstag beginnt in Niedersachsen wieder die Schule. Es ist ein Start in einen neuen Abschnitt - und eine Freude. Denn Bildung ist hierzulande so selbstverständlich wie sonst selten auf der Welt. Allerdings: Niedersachsens Schulpolitik läuft der Entwicklung wieder hinterher.  Eine Analyse von Hendrik Brandt.

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Quelle: dpa

Hannover. Sie werden strahlen, stolz wie Oskar sein und sich mächtig auf die Schule freuen. Wenn die Erstklässler übermorgen ihre Klassenräume erobern, wird zu spüren sein, was der Schulbeginn nach den Ferien eben auch sein kann: ein Start in einen neuen Abschnitt, eine Chance - und eine Freude auch. Und sei es darüber, dass Bildung hierzulande so selbstverständlich ist wie sonst selten auf der Welt.

Ob das auch die Flüchtlingskinder erfahren, die in den kommenden Monaten schüchtern in den Schulsekretariaten sitzen und um Aufnahme bitten werden, ist noch nicht ausgemacht. Bisher kann niemand genau sagen, wie viele Kinder zusätzlich unterrichtet werden müssen und was dafür nötig ist. Doch auch wenn manche Alarmklingel der Lehrerfunktionäre gerade ein wenig zu schrill tönen mag - schon jetzt ist klar, dass in den Ferien in diesem Bereich nicht alle Hausaufgaben gemacht worden sind. Niedersachsens Kultusbürokratie läuft der Entwicklung wieder hinterher. Und die Politik unter der gebeutelten Ministerin Frauke Heiligenstadt ist seit der Niederlage im Streit um die Höhe der Unterrichtsstunden für Gymnasiallehrer von echter Gestaltungskraft weit entfernt.

So kommt es, dass die Schulen erst von Donnerstag an gebeten sind, einmal durchzuzählen, wie viele Flüchtlingskinder sie überhaupt haben. So kommt es, dass die Zahl der neuen Sprachlernklassen schon jetzt erkennbar zu gering ist - man muss sich nur die Gesamtzahl der Flüchtlinge in Niedersachsen ansehen. So kommt es auch, dass andere wichtige Fragen weiter im Ungefähren bleiben. Wie wird sich etwa der eilige Rücksturz zur längeren Gymnasialzeit (G 9) genau auf die Inhalte und Unterrichtszeiten auswirken? Zumal das heute beginnende Schuljahr der Ferienregelung wegen dramatisch kurz ist? Gibt es endlich Klarheit im Streit um die Klassenfahrten? Und was ist der Masterplan für die berufliche Bildung unter den Bedingungen der Zuwanderung?

Sicher, hier können sich auch Lehrer und Eltern nicht einfach zurücklehnen. Wer aber ungewöhnliche Ideen für ungewöhnliche Zeiten entwickeln soll, braucht ein stabiles Rahmenmanagement, Verlässlichkeit und Zutrauen. Von solcher Sicherheit sind viele Lehrer inzwischen dramatisch weit entfernt. Das lässt sich nicht über Nacht reparieren - aber man könnte ja mal beginnen. Wenn Heiligenstadt wenigstens das Thema Unterricht für Zuwandererkinder entschlossen und schlüssig anpacken würde, wäre das mal eine Hilfe. Und ein guter Anfang des neuen Schuljahres.

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