Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Nehmt Castro 
die Ausrede
Nachrichten Meinung Nehmt Castro 
die Ausrede
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:57 01.07.2015
Anzeige

Bis zur Revolution von 1959 nannte man Kuba gern das Spielkasino der USA – manche bezeichneten die Karibikinsel auch gern als das Bordell Amerikas. In den vergangenen Jahrzehnten mutierte das Land dann zum Feind der USA. In Washington nahm man die Revolution sowie den Versuch, sowjetische Atomraketen zu stationieren, nachhaltig übel. Vor allem Letzteres kann man durchaus nachvollziehen.

Aber all das liegt ein halbes Jahrhundert zurück. Und viele Kubaner fragen sich heute zu Recht, wofür Washington die kleine Zuckerinsel denn noch immer bestrafen will. Vor allem das Handelsembargo, das der übermächtige Nachbar vor mehr als 50 Jahren gegen Castros sozialistisches Experiment verhängt hat, tut richtig weh. Viele Kubaner hoffen deshalb, dass mit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen nun auch endlich das Ende der Wirtschaftsblockade kommt. Das allerdings ist keineswegs ausgemacht. Denn dafür braucht der US-Präsident die Zustimmung des Kongresses – und da gibt es auch heute noch viele, die Kuba nicht verzeihen wollen.

Dabei ist diese Haltung nicht nur kindisch, sondern auch kurzsichtig. Wer einen Wandel auf Kuba will, muss das Embargo aufheben – allein schon, um der Regierung in Havanna ihre beste Ausrede für jeglichen Missstand zu nehmen: Schlechte Wirtschaftsdaten? Das Embargo ist schuld. Schlechte Versorgungslage? Das Embargo ist schuld. Verfallende Häuser, selbst in der Innenstadt von Havanna? Das Embargo ist schuld. Kippt die Handelsblockade, muss die Regierung von Raúl Castro zeigen, ob sie aus den neuen Möglichkeiten etwas machen kann. Schafft sie das nicht, könnte sie bald Geschichte sein.

Und Washington wird zeigen müssen, ob man bereit ist, aus dem ehemaligen Spielkasino nun einen Partner der USA zu machen. Es wäre beiden Ländern zu wünschen, dass das klappt.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Analyse zum Tarifstreik bei der Bahn - Bahnbrücke über den großen Graben

Die kleine Spartengewerkschaft GDL hat ums Überleben gekämpft – und sie hat gewonnen. Das heißt auch: Das Tarifgeschäft bei der Bahn wird schwierig bleiben. Eine Analyse von Stefan Winter.

01.07.2015
Meinung Kommentar zum Verfassungsschutz - Gefahr von rechts wird unterschätzt

Der Verfassungsschutz warnt zurecht vor der Terrormiliz "Islamischer Staat" in Deutschland. Unterschätzt werden dagegen Rechte, die Angst und Einschüchterung verbreiten. Ein Kommentar von Dieter Wonka.

30.06.2015
Meinung Analyse zur Schuldenkrise - Ein eigenes Signal an Athen

Die ausufernde Schuldenpolitik Griechenlands ist unsozial und schädlich. Im Gegensatz dazu ist der Bundeshaushalt 2016 ein Signal, dass es auch anders geht. Eine Analyse von Klaus Wallbaum.

30.06.2015
Anzeige