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Nehmt Castro 
die Ausrede

Kommentar zu Kuba Nehmt Castro 
die Ausrede

Die USA und Kuba haben wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. Jetzt muss auch ein Ende der Wirtschaftsblockade kommen. Dann hätte Castro keine Ausrede mehr. Ein Kommentar von Ralf Volke.

Bis zur Revolution von 1959 nannte man Kuba gern das Spielkasino der USA – manche bezeichneten die Karibikinsel auch gern als das Bordell Amerikas. In den vergangenen Jahrzehnten mutierte das Land dann zum Feind der USA. In Washington nahm man die Revolution sowie den Versuch, sowjetische Atomraketen zu stationieren, nachhaltig übel. Vor allem Letzteres kann man durchaus nachvollziehen.

Aber all das liegt ein halbes Jahrhundert zurück. Und viele Kubaner fragen sich heute zu Recht, wofür Washington die kleine Zuckerinsel denn noch immer bestrafen will. Vor allem das Handelsembargo, das der übermächtige Nachbar vor mehr als 50 Jahren gegen Castros sozialistisches Experiment verhängt hat, tut richtig weh. Viele Kubaner hoffen deshalb, dass mit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen nun auch endlich das Ende der Wirtschaftsblockade kommt. Das allerdings ist keineswegs ausgemacht. Denn dafür braucht der US-Präsident die Zustimmung des Kongresses – und da gibt es auch heute noch viele, die Kuba nicht verzeihen wollen.

Dabei ist diese Haltung nicht nur kindisch, sondern auch kurzsichtig. Wer einen Wandel auf Kuba will, muss das Embargo aufheben – allein schon, um der Regierung in Havanna ihre beste Ausrede für jeglichen Missstand zu nehmen: Schlechte Wirtschaftsdaten? Das Embargo ist schuld. Schlechte Versorgungslage? Das Embargo ist schuld. Verfallende Häuser, selbst in der Innenstadt von Havanna? Das Embargo ist schuld. Kippt die Handelsblockade, muss die Regierung von Raúl Castro zeigen, ob sie aus den neuen Möglichkeiten etwas machen kann. Schafft sie das nicht, könnte sie bald Geschichte sein.

Und Washington wird zeigen müssen, ob man bereit ist, aus dem ehemaligen Spielkasino nun einen Partner der USA zu machen. Es wäre beiden Ländern zu wünschen, dass das klappt.

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