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Ohne die Syrer geht es nicht

Leitartikel Ohne die Syrer geht es nicht

Weder die Amerikaner noch die Europäer wollen ihre Soldaten am Boden in Syrien kämpfen sehen. So bleiben nur die Soldaten der Region. Doch viel besorgniserregender als der Pakt mit Assad ist, dass die Koalition der Willigen keine Strategie erkennen lässt. Eine Analyse von Ulrike Dettmer.

Nahezu alle wollen ihn loswerden. Der Wunsch nach einem Ende der Schreckensherrschaft von Baschar al-Assad ist groß. Die Brutalität, mit der der syrische Diktator gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, lässt die Welt vor Entsetzen erschauern und brachte den US-Präsidenten Barack Obama schon vor zwei Jahren dazu, eine rote Linie zu ziehen: „So weit und keinen Zentimeter weiter“, warnte er den syrischen Diktator, als er Fassbomben und chemische Waffen gegen die eigene Bevölkerung einsetzte. Trotzdem hält sich Assad seit fast fünf Jahren an der Macht.

Das ist kein Zufall. Assad galt als Stabilitäts- und Machtfaktor. Man wollte keinen Staat zerfallen sehen, wie in Libyen nach dem Tod Muammar Gaddafis. Aber darf man Assad nun zum Waffenbruder im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ erheben? Zugegeben, der Plan klingt schmutzig und unmoralisch. Er wird kaum zu verhindern sein.

Versionen für ein Ende Assads gibt es viele. Aber egal ob der Diktator seine letzten Tage in einer Datsche in Moskau, in einem Luxusapartment in Teheran oder in einer Gefängniszelle in Den Haag verbringen wird, keines dieser Szenarien wird so bald Wirklichkeit werden. So bleibt dem Westen kaum etwas anderes übrig, als zu kooperieren.

Die Koalition der Willigen gegen den IS ist groß. Und sie wird immer größer. Australier, Kanadier, Amerikaner, Franzosen und jetzt auch die Deutschen schicken allerdings nur Flugzeuge, keine Infanterie, keine Bodentruppen. Luftangriffe sind weniger riskant als ein Krieg auf dem Boden. Doch die Netzwerke des IS lassen sich nicht so einfach aus der Luft zerstören. Ohne Soldaten auf dem Boden wird sich der IS nicht vertreiben lassen. Aber wer soll einen solchen Einsatz führen?

Weder die Amerikaner noch die Europäer wollen ihre Soldaten am Boden in Syrien kämpfen und sterben sehen. Aus gutem Grund. Syrien ist ein noch größerer Hexenkessel als der Irak. Natürlich will sich der Westen einen blutigen Bodenkrieg auf diesem Terrain ersparen. So bleiben nur die Soldaten der Region. Irakische, saudische, iranische und eben auch syrische Soldaten kämpfen schon seit geraumer Zeit inoffiziell gegen die Extremisten – irgendwie gemeinsam. Diese Truppen haben nicht die gleichen Interessen. Sie werden hin und wieder auch gegeneinander kämpfen. Es ist ein schmutziger und unübersichtlicher Pakt, aber ohne die Syrer wird der „Islamische Staat“ nicht zu schlagen sein.

Viel besorgniserregender als der schmutzige Pakt mit Assad ist, dass die Koalition der Willigen keine Strategie erkennen lässt. Es fehlt eine gemeinsame Vorstellung über die Zukunft Syriens. Obama, Frankreichs Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel handeln nicht wie kühl kalkulierende Akteure, sondern wie Getriebene, die nach den Anschlägen von Paris nun losmarschieren, ohne die Richtung zu kennen. Ohne Plan aber wird das Kalifat nicht zu besiegen sein.

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