Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Pegida entlarvt sich selbst
Nachrichten Meinung Pegida entlarvt sich selbst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:26 28.10.2015
Anzeige

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht aus Dresden. Die schlechte lautet, dass die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung wieder mehr Zulauf hat und die Redner auf ihren Kundgebungen immer radikaler werden. Die gute ergibt sich aus einer interessanten Beobachtung auf der jüngsten Pegida-Demonstration am Montag: Als ein Autor auf dem Podium über Konzentrationslager schwadronierte, wandten sich einige Teilnehmer empört ab und verließen den Platz. Immerhin. Sie haben endlich erkannt, welche Gesinnung die Rattenfänger an der Spitze haben.

Den Erfolg von Pegida muss man nüchtern anerkennen: Die Organisatoren rund um den zwielichtigen Lutz Bachmann haben es tatsächlich geschafft, Woche für Woche die Menschen zu mobilisieren – bei Wind und Wetter. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Pegida im Streit untergehen. Doch je mehr die Flüchtlingswelle die Menschen in Deutschland bewegt, desto stärker suchen viele von ihnen bei Pegida ihren Halt. Das klappte, weil diese Bewegung geschickt vorgeht und ihre menschenverachtende Gesinnung erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Die Masche ist immer die gleiche: Man lockt Interessierte mit sachlich formulierten Forderungen an, etwa zur Reform des Asylrechts. Dann klagt man über die angeblich abgehobenen Politiker, die die Probleme nicht ernst nehmen würden. Schließlich betreiben die Redner auf den Pegida-Treffen Hetze gegen bestimmte Gruppen – Muslime, Politiker und Journalisten. Untermalt wird das mit der Verschwörungstheorie: Alle Mächtigen der Welt würden sich verbünden, um das Volk an der Nase herumzuführen.

Alles funktioniert nur so lange, wie die Fremdenfeindlichkeit unterschwellig verbreitet wird, etwa über ironische Andeutungen. Lange Zeit war das bei Pegida gang und gäbe. Nun aber wird der Rassismus immer offener und direkter ausgedrückt. Das ist die Chance, die Anführer von Pegida als das zu entlarven, was sie sind: Feinde des demokratischen und parlamentarischen Systems der Republik. Vielleicht liegt daher in der Radikalisierung von Pegida die Chance einer Aufklärung. Klar ist doch: Die vielen Menschen, die Montag für Montag den Aufrufen folgen, sind ja tatsächlich besorgt und ängstlich. Das sind mitnichten alles Rechtsextremisten.

Wie aber kann man diese Leute für die Demokratie zurückgewinnen? Das wird immer schwerer, da der Aufstieg von Pegida noch von einem anderen Phänomen begleitet wird: Die Debatte wird nicht offen geführt, es gibt immer mehr Blogs und abgeschottete Foren, in denen Verschwörungstheoretiker ihr Unwesen treiben. In diesen Foren bestätigt der eine den anderen – ohne Kontakt mit Andersdenkenden. In der Masse der Pegida-Anhänger leben viele in einer eigenen Wirklichkeit. Es wird schwer, die Leute daraus zu befreien.

Widerruf

In dem Artikel „Pegida entlarvt sich selbst“ vom 20.10.2015 haben wir in Bezug auf die Rede des Herrn Akif Pirinçci vor der PEGIDA in Dresden am 19.102.2015 behauptet: „Als ein rechtsextremer Autor auf dem Podium offen die Wiedereinrichtung von Konzentrationslagern forderte..“ Diese Behauptung widerrufen wir und stellen fest, dass er dies so nicht geäußert hat.
Die Redaktion

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Kommentar zu Israel - Ein Signal der Verständigung

Die neue Mauer von Jerusalem wird – zunächst – nicht gebaut. Es ist ein wichtiges Zeichen, dass Israels Regierungschef Netanjahu darauf verzichten wird, eine Mauer durch Jerusalem ziehen zu lassen. Noch ist es zu früh für Erfolgsmeldungen, aber sicher ist: Der Nahe Osten braucht keine weiteren Mauern. Eine Analyse von Harald John.

22.10.2015

Auf ihrem Gewerkschaftstag in Frankfurt müssen sich die IG-Metall-Größen auch der Frage stellen, ob „Dieselgate“ wirklich nur die Krise der anderen ist. Schließlich hat die IG-Metall VW als Musterfall der Mitbestimmung vorgeführt und die „VW-Kultur“ gepriesen – in guten Zeiten. Eine Analyse von Stefan Winter. 

22.10.2015

Seit einem Jahr gehen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden Woche für Woche auf die Straße. Doch die sogenannten Abendspaziergänge sind kein friedlicher Protest mehr. Das zeigen nicht erst die traurigen Vorfälle des Wochenendes. Eine Analyse von Harald John. 

22.10.2015
Anzeige