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Pegida entlarvt sich selbst

Leitartikel Pegida entlarvt sich selbst

Das Prinzip Pegida funktioniert solange, wie die Fremdenfeindlichkeit unterschwellig verbreitet wird. Nun aber wird der Rassismus immer offener und direkter ausgedrückt. Das ist die Chance, die Anführer von Pegida als das zu entlarven, was sie sind: Feinde des demokratischen Systems. Eine Analyse von Klaus Wallbaum. 

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht aus Dresden. Die schlechte lautet, dass die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung wieder mehr Zulauf hat und die Redner auf ihren Kundgebungen immer radikaler werden. Die gute ergibt sich aus einer interessanten Beobachtung auf der jüngsten Pegida-Demonstration am Montag: Als ein Autor auf dem Podium über Konzentrationslager schwadronierte, wandten sich einige Teilnehmer empört ab und verließen den Platz. Immerhin. Sie haben endlich erkannt, welche Gesinnung die Rattenfänger an der Spitze haben.

Den Erfolg von Pegida muss man nüchtern anerkennen: Die Organisatoren rund um den zwielichtigen Lutz Bachmann haben es tatsächlich geschafft, Woche für Woche die Menschen zu mobilisieren – bei Wind und Wetter. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Pegida im Streit untergehen. Doch je mehr die Flüchtlingswelle die Menschen in Deutschland bewegt, desto stärker suchen viele von ihnen bei Pegida ihren Halt. Das klappte, weil diese Bewegung geschickt vorgeht und ihre menschenverachtende Gesinnung erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Die Masche ist immer die gleiche: Man lockt Interessierte mit sachlich formulierten Forderungen an, etwa zur Reform des Asylrechts. Dann klagt man über die angeblich abgehobenen Politiker, die die Probleme nicht ernst nehmen würden. Schließlich betreiben die Redner auf den Pegida-Treffen Hetze gegen bestimmte Gruppen – Muslime, Politiker und Journalisten. Untermalt wird das mit der Verschwörungstheorie: Alle Mächtigen der Welt würden sich verbünden, um das Volk an der Nase herumzuführen.

Alles funktioniert nur so lange, wie die Fremdenfeindlichkeit unterschwellig verbreitet wird, etwa über ironische Andeutungen. Lange Zeit war das bei Pegida gang und gäbe. Nun aber wird der Rassismus immer offener und direkter ausgedrückt. Das ist die Chance, die Anführer von Pegida als das zu entlarven, was sie sind: Feinde des demokratischen und parlamentarischen Systems der Republik. Vielleicht liegt daher in der Radikalisierung von Pegida die Chance einer Aufklärung. Klar ist doch: Die vielen Menschen, die Montag für Montag den Aufrufen folgen, sind ja tatsächlich besorgt und ängstlich. Das sind mitnichten alles Rechtsextremisten.

Wie aber kann man diese Leute für die Demokratie zurückgewinnen? Das wird immer schwerer, da der Aufstieg von Pegida noch von einem anderen Phänomen begleitet wird: Die Debatte wird nicht offen geführt, es gibt immer mehr Blogs und abgeschottete Foren, in denen Verschwörungstheoretiker ihr Unwesen treiben. In diesen Foren bestätigt der eine den anderen – ohne Kontakt mit Andersdenkenden. In der Masse der Pegida-Anhänger leben viele in einer eigenen Wirklichkeit. Es wird schwer, die Leute daraus zu befreien.

Widerruf

In dem Artikel „Pegida entlarvt sich selbst“ vom 20.10.2015 haben wir in Bezug auf die Rede des Herrn Akif Pirinçci vor der PEGIDA in Dresden am 19.102.2015 behauptet: „Als ein rechtsextremer Autor auf dem Podium offen die Wiedereinrichtung von Konzentrationslagern forderte..“ Diese Behauptung widerrufen wir und stellen fest, dass er dies so nicht geäußert hat.
Die Redaktion

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