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Meinung Pokémon Go - immer der Technik nach?
Nachrichten Meinung Pokémon Go - immer der Technik nach?
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02:15 25.07.2016
Gebannte Blicke aufs Smartphone:PokémonGo-Spieler im Maschpark hinter dem Neuen Rathaus. Quelle: Samantha Franson
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Jetzt weisen uns also kleine Monster den Weg durchs Leben. Die Straßen scheinen voll mit Menschen zu sein, die ihre Umgebung ausschließlich durch das Display ihres Smartphones wahrnehmen. Sie spielen „Pokémon Go“, und die Monsterjagd führt sie zuweilen auch auf Friedhöfe, mitten in den Straßenverkehr oder in private Vorgärten. Alles nur Spaß? Wohl kaum. Auch Spaß braucht Grenzen.

Dem japanischen Spieleentwickler Nintendo ist mit der App ein doppelter Coup gelungen. Die Firma feiert Erfolge an der Börse – und der Alltag wird immer mehr zur Spielwiese. In diesem Sommer jagt eine Katastrophenmeldung die nächste, und die Menschen halten Ausschau nach kleinen Phantasiewesen. Aber vielleicht ist dies ja nur ein scheinbarer Widerspruch. Vielleicht liefert „Pokémon Go“ eine willkommene Ablenkung von den Krisen der Welt. In Deutschland, in den USA, selbst in der aufgewühlten Türkei werden fiktive Monster gefangen. Die Spielerei mehr ist als ein Sommertrend.

Viele Menschen sind inzwischen mit ihrem Smartphone verwachsen. Sie empfinden es als normal, wenn unser Gegenüber im Gespräch den Facebook-Status aktualisiert. Vor ein paar Jahren noch galt das als unhöflich. Es ist ein neuer Lebensmodus: die permanente Vernetzung der Menschen. Online ist der Dauerzustand, offline eher ein Versehen – oder aber (immer häufiger) eine bewusste Entscheidung. „Pokémon Go“ und die Technik Augmented Reality ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur umfassenden Digitalisierung des Lebens.

Das Problem: Der technische Fortschritt ist schneller als der Mensch. Wir halten nicht Schritt mit den Neuerungen und verpassen zuweilen den richtigen Zeitpunkt, die Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technik zu setzen. Als ein Bibliotheksleiter in dieser Woche ein Pokémon-Verbot verhängte und eine „Kommerzialisierung des öffentlichen Raums“ beklagte, galt er als Spielverderber. Doch die Monsterjagd gehört nicht in Bibliotheken und schon gar nicht in die KZ-Gedenkstätte in Auschwitz. Es sind Orte mit einem spezifischen Sinn – und der steht dem Spieltrieb entgegen. Die Interessen von Spielehersteller und Spielern stehen da hinten an.

Es muss eine Verständigung über die Frage geben, wie weit technische Neuerungen den Alltag durchdringen dürfen. Sowohl am Esstisch mit der Familie als auch in Behörden und Institutionen kann ein „Stopp“ seine Berechtigung haben. Es geht hier nicht um Fortschrittsverweigerung, es geht um Regeln eines friedvollen Zusammenlebens.     

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