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Meinung Liberal ist nicht automatisch besser
Nachrichten Meinung Liberal ist nicht automatisch besser
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22:03 12.08.2015

Amnesty International setzt sich weltweit für Menschenrechte ein. Jetzt fordert die politisch unabhängige Organisation die Legalisierung von Prostitution. Hebt Amnesty die Prostitution damit in den Stand eines Menschenrechts und schlägt sich gar, wie Kritiker meinen, auf die Seite von Zuhältern und Menschenhändlern? Die Antwort darauf geht aus der jetzt veröffentlichten Erklärung von Amnesty hervor und lautet eindeutig: Nein. Amnesty erklärt Prostitution nicht zum Menschenrecht, sondern prangert die vielfache Missachtung der Menschenrechte von Prostituierten an. Das ist ein Unterschied.

Prostitution gibt es überall auf der Erde, doch in den meisten Staaten werden Prostituierte in die Illegalität gedrängt. Wer aber ein Doppelleben führt, wer heimlich und staatlichen Verboten zum Trotz Sex gegen Geld hat, kann nicht auf den Schutz von Polizei und Behörden hoffen, wenn er, meist: sie misshandelt oder ausgebeutet wird.

Im Gegenteil: Ihr droht im Falle eines Outings gesellschaftliche Ächtung, strafrechtliche Verfolgung, nicht selten auch der Tod. Mit der Grundsatzentscheidung für eine Legalisierung will Amnesty die Opfer globaler Sexarbeit sichtbar machen, ihnen Wege zu Schutz und ärztlicher Versorgung ebnen. Das ist ein hehres Ziel - zweifelhaft ist die Methode.

Denn liberale Gesetze sind kein Garant für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von Prostituierten. Einen Beleg dafür liefert die zwiespältige Bilanz des deutschen Prostitutionsgesetzes, 2002 von der damaligen rot-grünen Bundesregierung in Kraft gesetzt. An der Zwangslage vieler Frauen hat das Gesetz nichts geändert, daher wird es nun wieder verschärft. Mit ihm hat sich gezeigt, dass die größten Nutznießer einer Liberalisierung die Hintermänner der Branche sind. Diesen gefährlichen Nebeneffekt sollte Amnesty beim Einsatz für Prostituierte bedenken.

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