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Auf eigenes Risiko

Kommentar Auf eigenes Risiko

Die latente Terrorgefahr zwingt jeden Einzelnen zu Entscheidungen: Einfach so weitermachen wie bisher – oder vielleicht doch besondere Vorsicht walten lassen? Die Politik und die Behörden, das zeigt sich in Woche zwei nach den Pariser Anschlägen, taugen nur bedingt als Ratgeber. Ein Kommentar von Jörg Kallmeyer.

Auf den Besuch von Fußballspielen etwa lieber verzichten und auch auf Reisen mit dem Flugzeug?

Es fällt auch der Politik schwer, die Balance zu finden. Die gleichen Minister, die immer wieder betonen, dass der Alltag auf keinen Fall vom Terror beherrscht werden dürfe, greifen gerade massiv in ebendiesen Alltag ein. Mit der Absage eines Fußballspiels oder auch mit dem Verhängen eines Ausnahmezustands über eine europäische Metropole über Tage hinweg. In beiden Fällen ging es darum, akute Gefahren abzuwenden und Menschenleben zu retten. Es ist daher müßig, darüber zu diskutieren, ob die Maßnahmen angemessen waren oder nicht. Schwieriger wird es schon bei Warnungen wie etwa dem Terrorhinweis, den die US-Regierung jetzt für alle reisenden Landleute herausgegeben hat. Er bedeutet grob vereinfacht, dass es gerade überall auf der Welt gefährlich ist.

Solche Reisewarnungen dienen weniger der persönlichen Orientierung der Adressaten, sondern vielmehr der Absicherung der Absender. Niemand soll sagen können, er sei nicht gewarnt worden. Weil zudem die Kriterien nicht offengelegt werden müssen, kommt es zu seltsamen Situationen: Nach dem Absturz des russischen Passagierflugzeugs über dem Sinai wurden die Briten aus Scharm el Scheich ausgeflogen, die Deutschen blieben am Pool. Noch heute gelten für Tunesien europaweit höchst unterschiedliche Sicherheitshinweise. Am Ende sind alle Reisenden auf eigenes Risiko unterwegs. Die Warnungen können nur dabei helfen, das Ausmaß dieses Risikos abzuschätzen.

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