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Totenglocken für Trumps Wahlkampagne

Leitartikel Totenglocken für Trumps Wahlkampagne

Die US-Republikaner läuten die Totenglocken für ihre eigene Wahlkampagne. Mit seinen Beleidigungen und seinen vulgären Bemerkungen über Frauen hat sich Trump bei vielen US-Wählern endgültig disqualifiziert – auch in seinen eigenen Reihen.

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Einige Spitzenkräfte der Republikaner distanzieren sich von Trump.

Quelle: dpa

Washington. Es ist bezeichnend, dass sich Reince Priebus, Parteichef der Republikaner, noch am Freitagabend eilig vom Spitzenkandidaten distanzierte. Auch die Stellungnahme von Paul Ryan, dem konservativen Sprecher des Repräsentantenhauses, kommt einer Ohrfeige für den eigenen Kandidaten gleich: Mit Trump will er die Bühne nicht mehr teilen. Die Spitzenkräfte der Republikaner ahnen, dass sie schleunigst auf Distanz zu dem New Yorker Geschäftsmann gehen müssen, wollen sie ihre eigene politische Zukunft nicht verspielen.

Darum geht es in dem Video

Die Washington Post veröffentlichte am Freitag ein Video aus dem Jahr 2005, in dem sich Trump äußerst vulgär über Frauen äußert. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier.

Damit allein ist es aber nicht getan. Nach der desaströsen Kampagne 2016 wird es für die „Grand Old Party“ kein einfaches Weiter-so geben. Die Irrläufe ihres Spitzenmannes und die Radikalisierungen durch das jahrelange Trommeln der fundamentalistischen Tea-Party hinterlassen eine hochgradig vergiftete politische Landschaft. Die Gräben zwischen den politischen Lagern sind tiefer denn je.

Politik und Wirtschaft schafft kaum Hoffnung

Zu den Hauptverlierern gehören die Menschen, denen der Seiteneinsteiger aus New York eine Stimme gegeben hatte: der schlecht bis mittelmäßig qualifizierten Arbeiterschaft, denen barrierefreie Grenzen als Bedrohungen erscheinen. Im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung fällt es Politik und Wirtschaft immer schwerer, ihnen Hoffnung auf ein gedeihliches Auskommen zu vermitteln.

Die überraschenden und unerwartet starken Protestwellen, die durch Trump und ebenso durch sein linkes Pendant Bernie Sanders ausgelöst wurden, sind ein überlautes Warnsignal: Auch für Hillary Clinton steht fest, dass ihre Agenda nicht ausreicht. Bisher war sie darauf bedacht, ihre Klientel unter den Minderheiten Amerikas zu bedienen. Auch stiftet ihre demonstrative Nähe zum New Yorker Geldadel wenig Vertrauen.

Wendepunkt im Wahlkampf

Nach dem Wendepunkt im Wahlkampf wird es Zeit, die grundsätzlichen Herausforderungen der US-Gesellschaft verstärkt in den Blick zu nehmen. Angefangen von den Missständen im Bildungs- und Gesundheitswesen bis hin zu den Mängeln in der Berufsausbildung.

Es ist das Verdienst von Amtsinhaber Barack Obama, die USA vor dem völligen Absturz in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise bewahrt und zumindest einen leichten Aufschwung erreicht zu haben. Die Wahlkampagne 2016 zeigt allerdings, wie sehr weite Teile der US-Gesellschaft noch immer von Zukunftsangst geplagt sind.

Von USA-Korrespondent Stefan Koch

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