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Trump haut auf den Tisch

Kommentar Trump haut auf den Tisch

Der Raketenangriff der USA ist noch keine neue Syrien-Politik. Aber es könnte, mit viel Glück und gutem Willen, eine daraus werden. Ein Kommentar von Matthias Koch.

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US-Präsident Donald Trump.
 

Quelle: dpa

Hannover.  Beginnt in Syrien der dritte Weltkrieg, wie ein Internet-Nachrichtenportal am Freitagmorgen aufgeregt titelte? Krieg, man ahnt es, bringt Klicks. Doch ganz so weit ist es zum Glück noch nicht.

Militärisch war der Raketenangriff der USA von allenfalls mittelmäßiger Bedeutung. Sechs syrische Jets und eine Radarstation seien zerstört worden, sagen die Russen, zudem „ein Lagerraum und eine Kantine“ – das ist ein bescheidener Effekt nach Abschuss von angeblich 59 Marschflugkörpern.

Politisch aber bringt die Militäraktion dem amerikanischen Präsidenten erheblichen Nutzen. Alle Verdächtigungen, Donald Trump könne irgendwie in den Sog Wladimir Putins geraten sein, sind wie weggeblasen. Und sogar US-Liberale, die sich von Barack Obama aus moralischen Gründen mehr amerikanisches Engagement in Syrien erhofft hatten, kommen ins Schleudern: Tut jetzt ausgerechnet der verhasste Gegner das Richtige? Erstmals jedenfalls kann jetzt Trump, der bislang absolut glücklose Anfänger im Weißen Haus, seine Nation emotional einigermaßen hinter sich versammeln.

Auch das Nichtstun einer Supermacht kann moralisch verwerflich sein

Zu besichtigen ist eine seit Jahrzehnten bekannte emotionale Reagibilität der Supermacht USA. Das amerikanische Fernsehen hat Bilder von syrischen Kindern gezeigt, die qualvoll im Giftgas starben – und der Mann im Weißen Haus hat reagiert, wie ein Mann im Weißen Haus nun mal reagieren muss. Er schlug auf den Tisch: So nicht!

Dies ist noch keine neue Syrien-Politik. Aber es könnte, mit viel Glück und gutem Willen, eine daraus werden. Immerhin hat das lange verdrängte Thema jetzt eine neue Aufmerksamkeit gefunden. Und immerhin erkennt jetzt ein US-Präsident, der sich eigentlich hatte zurückziehen wollen aus der Welt, einen der Hauptverantwortlichen für das Geschehen auf dem Globus beim Blick in den Spiegel. Auch das Nichtstun einer Supermacht kann moralisch verwerflich sein.

Viele Faktoren mögen zu diesem Umdenken beigetragen haben. War es Trumps Tochter Ivanka? Der jüdische Schwiegersohn Jared? War es die beklemmende Assoziation, die stets den Tod im Gas begleitet: die Erniedrigung des Menschen in Richtung des Ungezieferhaften? Viele deuten zudem auf Trumps Verteidigungsminister Mattis und Sicherheitsberater McMaster: Beide sind „old school“, beide haben in jüngster Zeit an Einfluss gewonnen, beide raten dazu, sich von Syriens Machthaber Assad und auch von dessen Schutzherrn Putin nicht alles bieten zu lassen.

Luftangriffe, da hat Deutschlands Linkspartei ganz recht, bringen keine Lösung. Doch dasselbe Argument hätte sie jahrelang auch dem russischen Präsidenten und dessen Bombenkrieg in Syrien entgegenhalten können. Bomben sind genug gefallen in diesem Land, jetzt muss endlich ernsthaft verhandelt werden.

Von Matthias Koch/RND

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