Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Türkischer Flächenbrand
Nachrichten Meinung Türkischer Flächenbrand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 12.09.2015
Anzeige

Seit ihn die Türken vor einem Jahr zum Staatsoberhaupt wählten, zieht Erdogan aus seinem Protz-Palast in Ankara die Fäden. Dass die Verfassung den Präsidenten zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet, kümmert ihn nicht. Ungeniert machte er schon im Frühjahr Wahlkampf für die von ihm gegründete und bis zur Präsidentenwahl geführte islamische-konservative AKP. Doch die Wahl Anfang Juni ging anders aus als von Erdogan erhofft: Statt noch mehr Sitze zu erobern, verlor die AKP nach 13 Jahren ihre absolute Mehrheit. Das war vor allem dem Erfolg der pro-kurdischen HDP geschuldet, die den Sprung ins Parlament schaffte. Am 1. November sollen die Türken erneut wählen – und „den Fehler“ der Juni-Wahl korrigieren, wie Erdogan fordert.

Mit einer beispiellosen Polarisierung des politischen Klimas will Erdogan nun der Kurdenpartei das Wasser abgraben und die absolute Mehrheit zurückerobern. Dann könnte er sein Ziel – ein Präsidialsystem, das ihm noch mehr Befugnisse gibt – vielleicht doch noch erreichen. Die Türken zahlen für den Machthunger ihres Staatschefs einen hohen Preis. Als Erdogan im Sommer den Friedensprozess mit den Kurden für gescheitert erklärte, leitete er Wasser auf die Mühlen der militanten PKK, die jetzt das Land mit einer Welle des Terrors überzieht. Regierungsanhänger schüren im Gegenzug eine Pogromstimmung gegen die kurdische Minderheit.

Erdogan riskiert einen Flächenbrand, der das ganze Land zu erfassen droht. Aus der Türkei, die sich gern als ein Faktor der Stabilität im krisengeschüttelten Nahen Osten sieht, wird damit ein weiterer Konfliktherd. Freuen können sich darüber nur die vorgeblichen Gotteskrieger des „Islamischen Staats“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Kommentar zu Flüchtlingen in der EU - Junckers neue Union

Jean-Claude Juncker hat mit großen Worten versucht, Europa seine Würde zurückzugeben. Und er hat recht, wenn er sagt, angesichts der Flüchtlingssituation in Europa seien Taten gefragt. Doch es bleiben leere Worte, wenn die Staatschefs nicht mitziehen. Eine Analyse von Detlef Drewes.

12.09.2015

 Viele Dörfer im Land haben Ideen, von denen andere lernen können. Sie zeigen, wie sich etwa die Einwohnerzahl steigern lässt und wie sich Landfrust in Lebensqualität wandeln kann. Und sie können sogar Vorbild bei der Integration von Flüchtlingen sein. Eine Analyse von Gabriele Schulte.

Gabriele Schulte 10.09.2015

Die Debatte über die Flüchtlingskrise ist an einem neuen Wendepunkt angekommen: Die politischen Entscheidungen werden weniger von Zahlen und Fakten bestimmt. Es sind die Bilder dieses Flüchtlingsdramas, die eine eigene Macht entfalten – und die Regierungen und Behörden zum Handeln zwingen. Ein Leitartikel von Jörg Kallmeyer.

07.09.2015
Anzeige