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00:18 01.07.2015
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Saifuddin Reezgui hat am Strand von Sousse 38 Menschen ermordet. Eine grauenvolle Bluttat – und dem 24-jährigen Tunesier könnte noch etwas Furchtbares gelingen: Das Land steht nach dem islamistischen Anschlag wieder vor der Frage, ob die gerade erst etablierte Demokratie nicht zu schwach ist, um Sicherheit zu gewährleisten. Urlauber verlassen seit dem Wochenende in Scharen das Land, andere stornieren daheim ihren Urlaub. Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des kleinen Landes; rund 400.000 Menschen verdienen damit ihren Lebensunterhalt. All das ist seit Freitag mehr denn je in Gefahr, denn bereits im März ermordeten islamistische Attentäter im Bardo-Museum in Tunis viele Touristen.

Jetzt werden Rufe nach der starken Hand laut; der 2011 gestürzte Diktator Zine el-Abidine Ben Ali erscheint vielen plötzlich in einem milden Licht. Sicher, es gibt heute demokratische Freiheiten, doch Armut und Inflation nehmen rasch zu, die Arbeitslosigkeit ist weit höher als zu Ben Alis Zeiten; und der Frust der Jugend ist größer als 2011.

Freundliche Worte des Westens darüber, dass Tunesien heute das einzige Land ist, das den Arabischen Frühling mit einer echten Demokratisierung abschloss, werden dem Land nicht helfen. Einbußen beim Tourismus sollten mit höherer Entwicklungshilfe ausgeglichen werden. Deutschland und andere Länder könnten zudem Expertenhilfe anbieten, um innere Sicherheit zu stabilisieren, ohne gleich in den Polizeistaat abzugleiten.

Die wirkliche Herausforderung liegt aber nicht in Tunesien. Bekämpft werden muss die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die die Verantwortung für das Massaker übernahm. Raketenangriffe von US-Drohnen haben den IS jedenfalls nicht geschwächt. Der Westen muss sich neue Strategien überlegen – sonst gibt es keine Sicherheit, weder am Strand von Sousse noch anderswo.

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