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Darum haben Laternenumzüge Schutz verdient

Unterm Strich Darum haben Laternenumzüge Schutz verdient

Wegen des knappen Personals – das oftmals Fußball-Chaoten in Schach halten muss – will die Polizei keine Umzüge in Dörfern und Stadtteilen mehr begleiten. Ein Fehler, meint Mathias Klein.

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Laternenumzüge müssen auch weiterhin geschützt werden, meint unser Autor.

Quelle: Symbolbild/dpa

Am Sonntag werden Hunderte Polizisten beim sogenannten Risikospiel zwischen Bremen und Hannover 96 versuchen, auf Kosten des Steuerzahlers verfeindete Fans von Randale abzuhalten. Am Hauptbahnhof in Hannover werden schon am Sonnabend gepanzerte Polizisten, wie jede Woche, umsteigende Fußballfans zwingen müssen, sich wenigstens halbwegs wie Menschen zu benehmen. Und am ersten Adventswochenende wird ein Großaufgebot Polizei versuchen, Randale rund um den AfD-Bundesparteitag zu verhindern. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den hannoverschen Aufgaben der Polizei für die nächsten Wochen.

Zur Lage gehört auch, dass die Polizei in vielen Kommunen keine Kapazität mehr hat, sich um sogenannte Brauchtumsveranstaltungen wie Laternenumzüge oder das Austragen der Schützenscheiben zu kümmern – weil die Beamten überlastet sind. Viele schieben einen riesigen Berg von Überstunden vor sich her, die ständigen Wochenendeinsätze zerren zusätzlich an den Nerven.

Und weil die Polizei mit randalierenden Fußballfans oder Extremisten so überlastet ist, sollen sich Laternenumzüge und Schützenausmärsche in der Region Hannover selbst schützen?

Welche Folgen diese Idee der Landespolizei haben kann, hat die vergangene Woche gezeigt: In Großburgwedel fuhr ein 78-Jähriger von hinten in einen Laternenumzug mit vielen kleinen Kindern hinein. Dabei verletzte er einen Fußgänger und gefährdete zahlreiche andere erheblich. Und es hätte noch wesentlich schlimmer ausgehen können. Großburgwedels Ortsbürgermeister hat aller Wahrscheinlichkeit nach recht, wenn er sagt, der Mann wäre nicht durch die Menge gefahren, wenn die Polizei mit Blaulicht den Umzug abgesichert hätte. Freiwillige in Warnwesten und mit Fackeln reichten nicht aus. Die Region hat bereits angekündigt, solche Märsche nicht mehr genehmigen zu wollen.

Da trifft es sich, dass die neue große Koalition in Niedersachsen nun offenbar wirklich in neues Personal für die Polizei investieren will. Das ist einerseits notwendig, um sich Herausforderungen wie der Cyber-Kriminalität oder dem islamistischen Terrorismus stellen zu können. Andererseits ist auch wichtig, dass die Menschen die Welt wieder verstehen. Dabei würde helfen, wenn Laternenumzüge nicht schlechter gestellt wären als randalierende Fußballfans.

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