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Der Obama-Besuch hat sich doch gelohnt

Unterm Strich Der Obama-Besuch hat sich doch gelohnt

Der Besuch von US-Präsident Barack Obama in dieser Woche hat Hannover in einem Licht gezeigt, das der Stadt guttut. Sie kann sich längst ein gelassenes Selbstbewusstsein leisten, 
meint Felix Harbart.

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Quelle: Archiv

Der Stuhl ist weg. Jener Stuhl im Hannover Congress Centrum, auf dem US-Präsident Barack Obama am Sonntagabend saß, als ihm Oberbürgermeister Stefan Schostok bei der Eröffnung der Hannover Messe stellvertretend und nachträglich für die Befreiung Deutschlands durch die Amerikaner 1945 dankte. Nach der Veranstaltung marschierte irgendjemand mit dem Stuhl aus dem Saal – möglicherweise jemand, der vorher mehr als vier Stunden hatte warten müssen, um Obama ein paar Minuten reden zu hören. Und offenbar dennoch begeistert war. Mehr muss man eigentlich über die Stimmung in der Stadt rund um den Präsidentenbesuch nicht wissen.

Man kann es kurz machen mit der Bewertung: Ja, der Besuch hat vielen Hannoveranern Unannehmlichkeiten bereitet. Und ja, es war dennoch ein tolles Ereignis. Auch wenn, wie sich sehr bald herausstellte, Obama nicht hergekommen war, um der Stadt zu huldigen, sondern um ein wirtschafts- und außenpolitisches Zeichen zu setzen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er das auch in Frankfurt, Köln oder Berlin tun können. Aber er war eben in Hannover. Zwar nicht winkend vom Rathausbalkon, aber immerhin.

Tausende Fotos sind während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Hannover entstanden. Wir haben uns alle angesehen und die schönsten ausgesucht. Hier sind sie.

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Dass dieser Besuch für Hannovers Bild nach außen wichtig war, ließ sich in dieser Woche an den Reaktionen überregionaler und internationaler Medien ablesen. Die teilten sich im Groben in zwei Lager: Die einen berichteten anerkennend über die Stadt und vor allem den traumhaft schönen Austragungsort der Gespräche in Herrenhausen. Manch Journalist machte sich sogar die Mühe, dem Leser oder Zuschauer Hannover im Vorfeld ein bisschen vorzustellen. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ etwa schrieb Obama vorab in englischer Sprache auf, was noch sich alles in Hannover lohnen würde – etwa eine Currywurstmahlzeit im Plümmecke. Vieles davon war sehr hübsch, und manches kam sogar ohne die üblichen Hannover-Klischees aus.

Diese Klischees bestimmten die zweite Kategorie der Berichterstattung, in der vom „Besuch in der Provinz“ die Rede war. Diese Berichte kamen stets sehr bald auch auf die sogenannte Hannover-Connection zu sprechen, die seit einigen Jahren den bundesweiten Blick auf Hannover bestimmt.

Es ist schwer zu sagen, wie lange das noch so sein wird. Wenn man allerdings danach geht, welche Rolle die Mitglieder dieses einst sicher existierenden Klüngels auf ihren jeweiligen Feldern noch spielen: nicht mehr lange. Christian Wulff hat in dieser Woche die 18. Saison an der Niedersächsischen Spargelstraße eröffnet. Mirko Slomka hat es nicht geschafft, sich im Rennen um den Trainerjob beim Zweitligisten Hannover 96 gegen den U 19-Coach durchzusetzen. Gerhard Schröder ist zuletzt vor allem dadurch in den Medien aufgetaucht, dass er seiner Frau den Rücken freizuhalten sucht. Götz von Fromberg kann seinem Freund Frank Hanebuth nicht so recht helfen, der nicht aus Spanien ausreisen darf, wo man ihm den Prozess machen will. Gerd Andres ist mit dem Versuch gescheitert, in den hannoverschen Stadtrat einzuziehen. Und Carsten Maschmeyer hat ein Buch geschrieben, in dem steht, ein Nein sei ein Hinweisschild auf dem Weg zum Ja.

Leser der HAZ haben zahlreiche Fotos vom Besuch des US-Präsidenten Barack Obama gemacht – wir zeigen die schönsten.

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Was soll man sagen? Über diese Hannover-Connection ist die Zeit längst hinweggegangen.

Umso besser, dass die Stadt ein paar Tage lang andere Bilder produzieren konnte. Und zwar nicht nur solche von schönen königlichen Gärten, die auf diese Weise einmal die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdienen. Sondern auch solche von einer traditionsreichen Industrieschau, die durch den Präsidentenbesuch noch mehr zu einer Veranstaltung wurde, auf die die Welt schaut. Weil dieses Mal auch die Konzernchefs die Hannover Messe auf keinen Fall verpassen wollten. Hannover ist nicht Berlin und muss es niemals werden. Unsere Stadt kann sich ein gelassenes Selbstbewusstsein leisten. Und dazu gehört, dass man sich auch mal selbst feiern kann. Zum Beispiel, wenn der Präsident kommt.

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