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Meinung Grünes Irrlicht
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20:56 06.06.2014
Von Felix Harbart
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Es ist noch nicht so lange her, ein gutes Jahr vielleicht, da wähnten sich die Grünen auf dem Weg zur zweiten Kraft in großstädtischen Milieus – wenn nicht sogar zur ersten. Die Parteifreunde in Stuttgart hatten zuvor eine Landtags- und eine Oberbürgermeisterwahl gewonnen, quer durch Deutschland bekamen Rathäuser grüne Chefs, und auch in Hannover keimten Blütenträume. Weil hier indes, anders als in Stuttgart, kein bundespolitischer Promi als Kandidat zu haben war, schickten die Grünen den ehrenwerten, aber weithin unbekannten Ratsfraktionschef Lothar Schlieckau ins Rennen – und scheiterten. Am Ende mussten sie sich fragen lassen, ob das mit knapper Not zweistellige Ergebnis es wert war, den Wahlerfolg des SPD-Kandidaten Stefan Schostok zu gefährden, der gegen einen an sich ungefährlichen Gegner von der CDU in die Stichwahl musste.

Wie tief dieser Schreck saß, zeigte sich bei der Regionspräsidentenwahl, als die Grünen vorsichtshalber keinen Kandidaten nominierten. Für Rot-Grün in Hannover war das in dreierlei Hinsicht ein schlechtes Signal: erstens, weil die Grünen damit ihre eigene Chancenlosigkeit eingestanden. Zweitens, weil ihre Befürchtung offenkundig wurde, dass SPD-Kandidat Hauke Jagau nicht auf grüne Stimmen würde verzichten können. Und drittens, weil die Grünen mit dem Verzicht auf eine Kandidatur an Profil einbüßten. Kein eigener Kandidat, keine eigenen Positionen im Wahlkampf – nicht einmal die Aussicht, dem roten Partner vor der Stichwahl ein paar Zugeständnisse abtrotzen zu können. Die hannoverschen Grünen machten sich unsichtbar. Schlimmer kann es eigentlich kaum kommen.

Nach der Wahl wertete CDU-Kandidat Axel Brockmann das Erreichen der Stichwahl als Erfolg – immerhin habe Jagau im ersten Wahlgang die Stimmen von SPD- und Grünen-Wählern bereits kumuliert. Die Argumentation ist auf den ersten Blick schlüssig, auf den zweiten nicht mehr ganz so. Denn wie sich bei den Bürgermeisterwahlen im hannoverschen Umland zeigte, ist der rot-grüne Automatismus vielerorts ausgehebelt. In Laatzen trugen die Grünen zum Sturz von SPD-Bürgermeister Thomas Prinz bei, indem sie einen eigenen, starken Kandidaten aufstellten und keinen Zweifel daran ließen, dass sie mit Prinz nicht einverstanden waren. Und in Garbsen haben die Grünen vor der aufziehenden Stichwahl zwischen Christian Grahl (CDU) und Alexander Heuer (SPD) eine glasklare Wahlempfehlung zugunsten Grahls ausgesprochen. Vermutlich also hat der Verzicht der Grünen auf einen Kandidaten SPD-Amtsinhaber Jagau gar nicht so viel gebracht, wie man hätte meinen können. Für die Stichwahl lernt man daraus: Nichts Genaues weiß man nicht.

So sind die Grünen also bei der Regionspräsidentenwahl für eine Partei höflich beiseite getreten, mit der sie in verschiedenen großen Kommunen nicht mehr zusammenarbeiten wollen. Die Partei wird sich nach der Stichwahl neu justieren müssen. Sonst wird sie für die Hannoveraner irgendwann unglaubwürdig.     

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