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Wie halten wir es mit dem Sonntag?

Unterm Strich Wie halten wir es mit dem Sonntag?

An diesem Sonntag öffnen die Läden in Hannover mal wieder zum Einkaufsbummel. Eine bürokratische Regelung aber macht den Händlern das Leben schwer. Es wird Zeit, dass das Land endlich reagiert. Ein Kommentar von Conrad von Meding.

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Quelle: Behrens (Symbolbild)

Man stelle sich mal dieses Szenario vor: Der Gesetzgeber verbietet, sonntags im Internet einzukaufen. In jeder Stadt dürften die Bürger dann nur an vier Sonntagen pro Jahr im Internet einkaufen. Sonst nicht.

Die absurde Vorstellung ist leider Realität - aber sie trifft nicht den anonymen Onlinehandel, sondern ausgerechnet dessen Gegenspieler, die realen Geschäfte in den Städten. Zwar wird die Politik nicht müde, zu beteuern, dass sie den stationären Handel unterstützen will, damit nicht noch mehr Einkaufsstraßen in Innenstädten veröden. Trotzdem erschwert sie mit bürokratischen Regelungen den Händlern ihr Geschäft.

Wegen eines unzureichenden Landesgesetzes hat ein Gericht Ende 2015 entschieden, dass in Hannover nur noch alle Geschäfte gemeinsam an vier Sonntagen pro Jahr öffnen dürfen - andere Shoppingsonntage in einzelnen Stadtteilen darf es nicht mehr geben. Nun hat das Land es in den vergangenen neun Monaten nicht hinbekommen, dieser Absurdität wenigstens mit dem Entwurf eines neuen Gesetzes zu begegnen. Damit geht die Benachteiligung der Stadtteilkaufleute gegenüber dem Zentrum munter weiter: Wenn in der Innenstadt mit ihren rund 1200 Geschäften Sonntagsöffnung ist, dann zieht das Kunden aus dem gesamten Großraum an. An diesen Tagen braucht eigentlich kein Stadtteilgeschäft in Hannover mehr zu öffnen - gegen die starke Mitte ist kaum ein Ankommen. Dass es einige trotzdem tun, ist zur Hälfte Dienst am Kunden, zur Hälfte wohl auch Verzweiflung. Man will schließlich nicht, dass noch mehr Kunden ins Internet abwandern. Umso wichtiger aber wäre es, dass das Land sein Sonntagsöffnungsgesetz endlich modernisiert - und dann auch gleich richtig.

Im Umland Hannovers darf jede Kommune vier Tage im Jahr festlegen, an denen die Geschäfte öffnen dürfen. Bezogen auf die Größe Hannovers würde das in etwa den Stadtbezirksgrenzen entsprechen. Einigte man sich auf diese Grenzen, dann könnte der Handelsmagnet Innenstadt künftig vier Sonntage pro Jahr festlegen - und die Stadtteil-Einkaufsverbünde könnten sich andere Sonntage aussuchen, an denen sie öffnen und ihre Angebote ausgeruht der Kundschaft präsentieren. Allen wäre geholfen.

Wer glaubt, dass Mitarbeiter im Handel unter Sonntagsöffnungen leiden, der irrt in vielen Fällen. Die Betroffenen bekommen nicht nur einen finanziellen Aufschlag, sondern darüber hinaus einen freien Tag - viele arbeiten deshalb sogar sehr gern an einem Sonntag. Dem Gesetzgeber geht es ohnehin nicht so sehr um Arbeitsschutz, sondern um den allgemeinen Schutz der Sonntagsruhe.

Im Kern ist das auch richtig. Natürlich braucht eine Gesellschaft einen Rhythmus. Natürlich ist es gut, wenn nicht jeder Tag gleich ist, sondern einige Tage herausstechen, an denen man Zeit hat für Freunde, Familie, für Hobbys und Vereinsaktivitäten. Warum aber das Einkaufen nicht zu den Freizeitaktivitäten gehören soll, kann kaum jemand schlüssig erklären: Konsum ist nichts Schlimmes, sondern eine der ältesten menschlichen Interaktionsformen. Nicht ohne Grund haben sich Städte an Handelswegen gegründet - und übrigens Kirchen gern an Marktplätzen angesiedelt.

In Hannover hat der Streit um die Sonntage immerhin dazu geführt, dass die Geschäftsleute und Verdi gemeinsam am Tisch sitzen und über Termine sprechen, die für beide akzeptabel sind. Dass sie stets einen Anlass erfinden müssen, der Sonntagsshopping rechtfertigt, gehört zu den weiteren Absurditäten. Morgen übrigens ist das Oberthema „Gewürzstraße“ - aber man muss nicht lange raten, ob geschätzte 250.000 Kunden wegen der Ladenöffnung oder wegen ein paar Gewürzschnupperstationen in die Stadt kommen. Auch das darf die Politik gern reformieren.

Die Geschäfte öffnen von 13 bis 18 Uhr.

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