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Man muss sich auch mal die Meinung sagen

"Unterm Strich" für Kinder Man muss sich auch mal die Meinung sagen

Warum eigentlich meckert die Zeitung immer an allem herum? Weil es nötig ist – und außerdem toll, dass sie es in diesem Land darf, meint Felix Harbart.

Vielleicht kennt ihr Menschen, die sagen, eine Zeitung brauche man gar nicht mehr. Schließlich, sagen die, gibt es ja das Internet, da steht ja alles drin. Wir von der Zeitung glauben das natürlich nicht. Wir glauben, dass man die Zeitung schon alleine deswegen braucht, weil jeden Tag viel zu viele Informationen unterwegs sind, Tausende und Abertausende. Und dass jemand das sortieren muss. Journalisten, die entscheiden, was Unsinn ist und was wichtig. Das, was sie für wichtig halten, schreiben sie in die Zeitung – und ins Internet.

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Wir glauben aber noch etwas anderes: Wir meinen, dass es nicht ausreicht, die Informationen einfach so hinzuschreiben. Stattdessen ist es hin und wieder auch mal nötig zu schreiben, was wir davon halten. Das nennt man dann einen Kommentar, und wir, so sagen wir etwas großspurig, haben zu den Dingen eine Haltung. Wenn eine Zeitung keine Haltung hat, kann man sie gleich vergessen.

Warum wir schreiben, was wir schreiben...

Zum Beispiel: Neulich haben Leute an mehreren Orten Häuser angezündet, in denen Flüchtlinge leben. Das könnten wir jetzt einfach so hinschreiben, und das tun wir zunächst einmal auch. Aber reicht das? Am Ende stolzieren die umher und posaunen herum, es sei in Ordnung, andere Menschen zu verletzen, weil sie aus einem anderen Land kommen. Das ist es aber nicht. Es ist dumm, gefährlich, gemein – kurz: Es ist eine Sauerei. Und es ist gegen das Gesetz. Darum gibt es nämlich Gesetze: um Sauereien zu verhindern. Also schreiben wir das. Damit für jeden klar ist, wie wir das finden. Zum Glück sind die meisten Leute da mit uns einig.

Anderes Beispiel, hier bei uns zu Hause: Da haben alle möglichen zuständigen Leute lange darüber gestritten, wie man die Stadtbahn an bestimmten Stellen fahren lassen soll: durch einen Tunnel oder nicht und so weiter. So ein Streit kann lange dauern und kompliziert sein. Also sagen wir unseren Lesern nicht nur, wer was vorschlägt. Wir sagen auch, was unserer Meinung nach am besten wäre. Und wenn dann etwas anderes beschlossen wird, kritisieren wir das – klar.

...und wieso das so wichtig ist

Genau dafür braucht man eine Zeitung nämlich auch: um in einer Stadt oder in einem Land eine Diskussion zu führen. Man stelle sich mal vor, mehr als eine Million Menschen in und um Hannover müssten auf Facebook darüber diskutieren, wie die Straßenbahn fahren soll. Wie soll das gehen? Stattdessen sagen die Politiker uns, was sie meinen, wir sagen es den Leuten – und die können uns zurückschreiben, wie sie es finden. Das kriegen wiederum die Politiker mit. Das nennt man dann eine öffentliche Diskussion. Und das kann nur die Zeitung, ob nun auf Papier oder im Internet.

Übrigens: Dass wir das alles dürfen, ohne, dass uns jemand daran hindert, hat einen Namen: Pressefreiheit. Hört sich selbstverständlich an, ist es aber nicht. Wir können alle froh sein, dass es in Deutschland Pressefreiheit gibt – in anderen Ländern gibt es die nicht. Da haben alle gefälligst zu schreiben, was die Regierung sagt. Und die Menschen haben das gefälligst zu glauben. Selbst, wenn die Regierung lügt.

Und man muss sich mal bei unseren Politikern bedanken: Ständig müssen die sich von uns kritisieren lassen. Dabei machen die meisten das, zumindest in der Stadt, freiwillig und ohne viel Geld dafür zu bekommen. Das ist schon toll.
All das braucht man also, wenn man in einer Stadt oder in einem Land vernünftig zusammenleben will: Menschen, die sich engagieren. Zeitungen, die sie kritisieren – oder loben. Und Leser, die das gut finden oder sich über ihre Zeitung auch hin und wieder ärgern. Und danach wissen, wen sie wählen sollen.
Das nennt man dann Demokratie.

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