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Mehr als bloße Gondelei

Unterm Strich Mehr als bloße Gondelei

Die Stadt soll den Bau einer Seilbahn Richtung Wasserstadt prüfen, verlangen die Grünen. Das hört sich an wie eine versponnene Utopie - ist aber keine. Es lohnt sich zumindest, einmal darüber nachzudenken, meint Bernd Haase.

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Die Europäische Union liebt die Einheitlichkeit und kümmert sich um vieles, natürlich auch um Fortbewegungsmittel aller Art. Vor einigen Jahren hat sie eine Richtlinie über Seilbahnen im Personennahverkehr verabschiedet, die die Länder in gültiges Recht überführen mussten. „Die Richtlinie ist auch dort umzusetzen, wo es im Augenblick keine Seilbahnen gibt und in absehbarer Zeit auch keine geben wird“, verlangte die EU. Das war insofern weitsichtig, als nun wenigstens entsprechendes Regelwerk existiert, wenn in Hannover eine errichtet würde.

Mit dem Antrag, die Stadtverwaltung solle den Bau einer Gondelbahn zwischen dem Königsworther Platz und dem künftigen Wohngebiet Wasserstadt in Limmer prüfen, haben einige Grüne um Parteichef Daniel Gardemin in dieser Woche Aufsehen erregt. „Interessant“ fand man das im Rathaus, was eine Bewertung ist, die Interpretationsmöglichkeiten offen lässt. Im politischen Raum fielen Worte wie „Luftnummer“ oder „Wahlkampfgag“.

Wieso eigentlich? Gardemin und seine Grünen haben nicht Utopisches vorgeschlagen, sondern etwas, was es in anderen Städten längst gibt. Norddeutsche sind nicht unter ihnen, weil die Hamburger in einem Bürgerentscheid vor zwei Jahren eine Seilbahn über die Elbe zwischen St. Pauli und den Musicalbühnen im Hafen abgelehnt haben. Ihre Hauptargumente: Die Seilbahn würde noch mehr Touristen ins ohnehin schon überfüllte Viertel locken. Die 130 Meter hohen Masten, die notwendig wären, damit große Containerschiffe unter den Gondeln durchfahren können, zerstörten das Stadtbild.

Das ist nachvollziehbar, taugt aber nicht als Blaupause für Hannover. Seilbahnen in Städten sind bisher mehrheitlich als Touristenattraktionen geplant worden; auch an der Elbe war das das Hauptargument. Die Grünen wollen die Seilbahn aber als zusätzliches Nahverkehrsmittel einsetzen, die Abmessungen wären viel kleiner als in Hamburg. Das kann man so belächeln, wie es anno dunnemals manche mit den ersten Autos und Eisenbahnen getan haben. Man kann aber auch intensiver darüber nachdenken.

Erstens gibt es bisher kein wirklich überzeugendes Nahverkehrskonzept für die Wasserstadt, auch wenn einige Politiker das behaupten. Ob dort jemals eine Stadtbahn halten wird, ist sehr zweifelhaft. Zweitens sind Seilbahnen längst flexibel konstruierbar und bieten eine Reihe von Vorteilen: Sie entlasten Straßen, auf denen sich schon Fußgänger, Radfahrer und Autos mit Bussen und Bahnen drängeln. Sie sind leise und werden von Ökostrom angetrieben. Sie lassen sich preiswerter, schneller und platzsparender bauen als eine Stadtbahn. Das versprechen nicht nur die Herstellerfirmen, sondern auch Verkehrsexperten. Und wenn Hannover es tatsächlich schaffen würde, eine solche Seilbahn für den Nahverkehr zu bauen, dann hätte die Stadt ein Vorzeigeprojekt, das wunderbar zu einem fortschrittlichen Stadtteil passen würde, wie es die Wasserstadt werden soll.

Alles Seifenblasen? Mag sein. Aber wer glaubt, das jetzt schon zu wissen, weiß vermutlich auch, dass kein Autokonstrukteur je auf die Idee gekommen wäre, auf die zunehmende Enge auf den Straßen der Großstädte mit dem Bau immer größerer Autos zu reagieren. Im Ernst: Die Grünen verlangen eine Prüfung, nicht mehr und nicht weniger. Sollte dabei herauskommen, dass die Seilbahn-Idee nichts taugt, ist das wenigstens nachgewiesen. Außerdem haben Seilbahnen noch einen Vorteil: Sie lassen sich schnell wieder abbauen.

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