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Meinung Warum von der Leyen den Titel behalten darf
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00:15 12.03.2016
Von Anfang an waren die Fantasien der Plagiatsjäger, man könne leicht auch von der Leyen zu Fall bringen, übertrieben. Quelle: dpa
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Hannover

Eine Ministerin, eine einflussreiche Frau im Bund und in Niedersachsen – mit Blick auf Ursula von der Leyen und ihre Doktorarbeit wollte die Medizinische Hochschule Hannover keinen Fehler machen. Und so nahmen sich die Gelehrten sechs Monate Zeit, um die nur 62 Seiten umfassende Arbeit zu überprüfen. Freche Studenten würden hinzufügen: zehn Seiten pro Monat, ein machbares Pensum. Fest steht jedenfalls: Von einer überstürzten Entscheidung kann keine Rede sein.

Eher muss man nach so gründlicher Prüfung umso mehr respektieren, was der Senat der Hochschule nun entschieden hat. Die Arbeit ist kein Skandal, sie ist aber auch nichts, worauf die Beteiligten nach 25 Jahren noch immer stolz wären. Hand aufs Herz: Ist das nicht sogar der Normalfall bei unzähligen medizinischen Doktorarbeiten?

Einmal mehr wollten geschäftstüchtige Plagiatsjäger ein Berliner Kabinettsmitglied wegkegeln. Bei Karl-Theodor zu Guttenberg hat das geklappt, bei Annette Schavan auch. Doch im Fall von der Leyen rollt die Kugel polternd in eine ganz andere Bahn: Man hört jetzt Fachleute vieler Fakultäten, Mediziner vorneweg, wie sie einander unter vier Augen eingestehen, dass über Jahrzehnte hinweg Doktortitel zuweilen ziemlich schnell zu haben waren.

Neue Maßstäbe gegen alte Verhältnisse

Es ist gut, dass die Sensibilität gestiegen ist. Allerorten gibt es inzwischen Kommissionen, die über „gute wissenschaftliche Praxis“ wachen und strengere Maßstäbe verkünden. Es ist aber auch gut, wenn bei nachträglichen Überprüfungen nicht neue Maßstäbe an alte Verhältnisse angelegt werden. Die MHH hat an dieser Stelle die gebotene Fairness walten lassen.

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Plagiatsvorwürfe haben schon so manchen Politik-Promimenten in Bedrängnis gebracht. Mitunter führten sie zum Verlust des Doktortitels, in einigen Fällen auch zum Rücktritt.

Von Anfang an waren die Fantasien der Plagiatsjäger, man könne leicht auch von der Leyen zu Fall bringen, übertrieben. Anders als Schavan ist von der Leyen nicht Wissenschaftsministerin. Und anders als bei Guttenberg war ihre Doktorarbeit nicht Teil einer politischen Karriereplanung. Bei Guttenberg, der massiver abschrieb, folgten Plagiatsvorwürfe der Doktorarbeit von 2007 im Abstand von vier Jahren. Seine Reaktion war arrogant: „Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten.“ Von der Leyen dagegen wollte 1990 noch Ärztin werden. Welche Fehler sie im damaligen Kontext machte, ist für eine Verteidigungsministerin irrelevant – es sei denn, sie hätte einen aktuellen Fehltritt hinzugefügt, etwa wie Guttenberg. Genau das hat sie klug vermieden.

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