Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Was Volkswagen jetzt braucht
Nachrichten Meinung Was Volkswagen jetzt braucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 26.09.2015
Winterkorns Beitrag zum Aufstieg des Wolfsburger Autobauers war gewaltig, sein Rückzug dennoch unumgänglich.  Quelle: dpa
Anzeige
Wolfsburg

Viel war in Martin Winterkorns Rücktrittserklärung von Betroffenheit die Rede, von Bestürzung und Fassungslosigkeit. Darüber, „dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“. Damit steht der langjährige VW-Chef beileibe nicht allein da. Hunderttausende Mitarbeiter, Millionen Kunden und wohl die gesamte deutsche Industrie teilen diese Fassungslosigkeit. Nur: Im Gegensatz zum Konzernlenker dürfen sie sich das erlauben.

Winterkorns Beitrag zum Aufstieg des Wolfsburger Autobauers war gewaltig, sein Rückzug dennoch unumgänglich. Weil nicht sein darf, dass unter den Augen eines Vorstandschefs ganze Entwicklungsteams kriminelle Energie bei einem für den Konzern zentralen Produkt ausleben können. Weil nicht sein kann, dass die Untersuchungen der US-Behörden in Wolfsburg schon lange bekannt waren, der Aufsichtsrat davon jedoch nicht unterrichtet wurde. Und ja, auch, weil der patriarchalische Stil der Ära Piëch/Winterkorn im Hause Volkswagen vor allem im Management einen Druck erzeugt hat, der letztlich in seiner absurdesten Konsequenz üble Verwerfungen hervorgebracht hat wie sie nun in Rede stehen.

Keine Zeit für einen sanften Wandel

Binnen weniger Monate hat sich das einstige Traumduo nun selbst vom Platz gestellt. Es hinterlässt einen angesichts von Strafen, Klagen und Rückrufen in noch unbekanntem Ausmaß taumelnden Industriegiganten, der nicht nur sein eigenes Ansehen, sondern das der deutschen Industrie insgesamt ramponiert hat. Und eine Mannschaft, die bis ins Mark verunsichert ist. Eine stärkere Dezentralisierung, eine effizientere Verteilung von Verantwortlichkeiten hatte Winterkorn zuletzt noch selbst angestoßen. Jetzt aber ist alles anders – und für den bequemen, sanften Wandel, wie sie ihn bei Volkswagen gewohnt sind, fehlt nun die Zeit.

Es steht außer Frage, dass die Hintermänner und Entscheidungswege des Abgas-Skandals ermittelt werden müssen. Doch das wird für die neue Führungsmannschaft am Ende noch die einfachere Aufgabe sein. Die größere Herausforderung liegt in der Reform des Konzerns selbst. Dabei geht es nicht allein darum vorzubeugen, dass sich solche Fälle nicht wiederholen. VW muss sich strukturell und kulturell erneuern. Auch, weil der Konzern lange Zeit nicht mehr so gut dastehen wird wie noch bis vergangenen Freitag. Die Eigentümer sollten an der Spitze ein Zeichen setzen – und einen Vorstandschef ernennen, der nicht in der Ära Piëch/Winterkorn groß geworden ist.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Deutschland / Welt Experte findet Unregelmäßigkeiten - Hat nicht nur VW getrickst?

Die Automobilindustrie muss sich offenbar auf weitere Enthüllungen einstellen. Peter Mock, Direktor des International Council on Clean Transportation (ICCT), erklärte, dass auch bei anderen Herstellern Unregelmäßigkeiten bei den Stickoxid-Werten festgestellt wurden. 

23.09.2015

Angesichts der Affäre um Abgasmanipulationen tritt Volkswagenchef Martin Winterkorn zurück. Als Vorstandsvorsitzender übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren, erklärte Winterkorn am Mittwoch in Wolfsburg. 

23.09.2015

In Wolfsburg tagt das Präsidium des VW-Aufsichtsrates, um über Konsequenzen aus dem Abgas-Skandal zu beraten. Am Morgen ist die VW-Aktie weiter abgestürzt, erholte sich aber später wieder. Der Konzern teilte mit, dass er noch keine Informationen über betroffene Modelle habe.

23.09.2015

Am Dienstag wurde Frank Bsirske zum Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wiedergewählt. Mit 88,5 Prozent der Stimmen fiel die Wiederwahl aber deutlich geringer aus als vor vier Jahren. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

25.09.2015
Meinung Leitartikel zum VW-Skandal - Zurück zur Wahrheit

Volkswagen hat sich vom Volkstümlichen entfernt: In diesen Tagen ahnt man, dass das Bild des großen, mächtigen, aber auch wohlwollenden Autoherstellers ein Trugschluss gewesen sein könnte. Eine Analyse von Dirk Schmaler.

Dirk Schmaler 25.09.2015
Meinung Abgas-Skandal von VW - Wolfsburger Totalschaden

Der Skandal um die manipulierten Abgasmessungen hat Volkswagen an einer empfindlichen Stelle getroffen: Der Vertrauensverlust in den Autokonzern ist immens. Der Aktienkurs brach drastisch ein. Bevor VW den Vertrag mit Martin Winterkorn verlängert, muss die Affäre aufgeklärt sein. Eine Analyse von Stefan Winter.

Stefan Winter 24.09.2015
Anzeige