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Teuer, aber
 verkraftbar

VW-Abgasskandal Teuer, aber
 verkraftbar

Amerika, du hast es besser“: So mancher deutsche VW-Fahrer mit dem berüchtigten Dieselmotor EA189 wird beim Blick auf die Entschädigungssummen für US-Kunden wohl an Goethes Gedicht denken müssen. Ein Kommentar von Lars Ruzic.

Schon im vergangenen Jahr gab es 1000 Dollar quasi als erste Stillhalte-Prämie, schon bald könnten weitere 5000 Dollar folgen.Ein durchschnittlicher VW-Kunde in den USA dürfte damit schon gut ein Viertel seines Kaufpreises wieder eingespielt haben. Selbst der Rückkauf der Autos durch VW ist möglich – und zwar zu deren Wert vor dem Abgas-Skandal.

Verbraucherschützer und selbst ernannte Verbraucheranwälte gehen hierzulande schon lange mit der Botschaft hausieren, dass so etwas auch deutschen und europäischen Kunden nicht verwehrt werden könne. Dann wird wieder das Bild vom mächtigen Konzern und großen Arbeitgeber gemalt, gegen den die duckmäuserische heimische Politik sich nicht traue, so rigide vorzugehen wie die US-Behörden.

Das mag in Onlineforen gut ankommen, spiegelt aber nicht die Realität. Die ist, wie so oft, deutlich komplexer. Die USA als Benzin-Nation haben wesentlich schärfere Stickoxid-Grenzwerte als Europa, wo man seit jeher die Priorität bei CO² setzt. Die Abschalt-Software, mit der die Stickoxid-Ausstöße manipuliert wurden, war genau dafür gemacht, die mit traditionellem Diesel kaum zu erreichenden US-Grenzwerte zu erfüllen. Deshalb wiegt der Schaden weit schwerer. Und deshalb ist es in den USA auch viel komplizierter, eine Rückruf-Lösung anzubieten als in Europa.

Es war klar, dass eine Einigung in den USA nur teurer werden kann. Aber die Last wird zu schultern sein. Und das ist aus niedersächsischer Sicht die wichtigste Nachricht. Mit dem Vergleich in Amerika ist VW zwar noch kein Befreiungsschlag gelungen, aber der Autobauer kann wieder nach vorn schauen.

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