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Vorbild Sprengel: Hannover kann mehr

Kommentar Vorbild Sprengel: Hannover kann mehr

Dass und wie der Sprengel-Neubau fertig geworden ist, ist gut. Warum aber regt sich sonst so wenig Aufbruchstimmung in einer Stadt, die dafür mal bekannt war, fragt sich Chefredakteur Hendrik Brandt. Wer packt's an?

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Über die Architektur des Sprengel-Neubaus wurde im Vorfeld viel diskutiert.

Quelle: Surrey

Hannover. Es ist am Ende gut gegangen – und es ist gut geworden. Das neue, innen richtig prächtige Sprengel-Museum steht der Kunst und den Besuchern offen. Diese Nachricht ist fast eine Sensation bei einem öffentlichen Bau in diesen Zeiten, und sie zeigt, dass Hannover auch bei Großprojekten noch etwas bewegen kann. Gemeinsame Anstrengungen von Bürgern, der Stadt und dem Land Niedersachsen haben im Fall des Museums letztlich Erfolg gehabt – was nicht heißen muss, dass man die Fassade oder die Finanzkapriolen, die den Bau noch länger begleiten werden, gleich bejubeln muss. Jetzt aber steht der wahrhaft stolze Museumskomplex erst einmal für sich; Hannover hat eine wunderbare Attraktion mehr.

Der Anbau des Sprengel-Museums wurde am Freitag mit einem großen Fest eröffnet. Am Eröffnungswochenende haben Kunstbegeisterte freien Eintritt in den Erweiterungsbau.

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Pläne und Projekte dieser Größenordnung gibt es immer wieder einmal – dass sie aber Wirklichkeit werden, ist eben keine Selbstverständlichkeit. Sie gelingen meist nur dann, wenn es Initiatoren gibt, Menschen, die sich an Ideen festbeißen und sie auch bei Rückschlägen nicht gleich loslassen. Die es schaffen, andere mitzureißen und die Trägheit der Masse in Politik, Verwaltung und manchmal auch in der Wirtschaft zu überwinden.

Hannover hat in dieser Hinsicht eine bemerkenswerte Tradition. Der Nachkriegaufbau war für seine Zeit in Deutschland wegweisend und wird – auch bei allem, was wir heute vielleicht besser wissen – mit dem Namen Rudolf Hillebrecht verbunden bleiben. Das „Swingin’ Hannover“ der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts hat die Stadt ebenfalls überformt. Daran waren viele beteiligt, dennoch bleibt die Zeit mit dem Namen des Oberstadtdirektors Martin Neuffer untrennbar verbunden. Expo, Schlossbau in Herrenhausen – oft waren es die Ideen im kleinen Kreis, die am Ende Großes möglich gemacht haben. Übrigens auch, weil die Stadt bundesweit hinter den Kulissen einen guten Namen hatte. Die Kommunalpolitiker Herbert Schmalstieg und Stephan Weil waren stets gut überregional vernetzt, auch die hannoverschen Bundestagsabgeordneten hatten politisches Gewicht. Man hörte Hannover zu, auch außerhalb seiner Grenzen.

Es scheint, als sei diese Tradition fürs Erste abgerissen. Wenn man diejenigen fragt, die heute an der Rathausspitze stehen, erfährt man viel von wolkigen Visionen, aber wenig von kühnen, gar streitbaren Ideen. Nach innen wie nach außen ist Hannover von einer zähen, rot-grünen Kommodigkeit durchzogen, die die CDU auf keinen Fall stören will.

Das wird auf Sicht nicht mehr reichen. Denn, ob man es nun für gerade zumutbar hält oder nicht: Hannover stehen neue Großprojekte ins Haus, gegen die das Management des Sprengel-Anbaus wie eine Fingerübung erscheint. Die Zuwanderung zum Beispiel. Wo steht eigentlich geschrieben, dass Hannover hier nicht wieder einmal zum Vorbild werden oder zumindest in der Spitzengruppe der Kommunen mitspielen kann? Mit einem unkonventionellen Bauprogramm unter Einbeziehung von Wirtschaft und Bürgern, mit einer gewaltigen kommunalen Ausbildungsoffensive, die anpackt, wo es nötig ist und nicht ständig beschreibt, was nicht geht? Mit einem Klima in der Stadt, bei dem Vorschriften und achtenswerte Überzeugungen aus reichen Zeiten etwa zu Ökostandards nun erst einmal zurückstehen? In dem politische Pragmatik den Dialog nicht zum Zweck hat, sondern ihn einfach mal zu einem Ziel führt? Es muss nicht immer nur um Bauten gehen, wenn etwas Großes entstehen soll. Hannover kann so viel.

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Von Redakteur Hendrik Brandt