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Meinung Was spaltet die Nation?
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21:25 09.11.2016
Von Hendrik Brandt
Hannover

In der kommenden Woche will Barack Obama noch einmal nach Deutschland kommen. Schon vor der Wahl seines Nachfolgers war klar: Das werden wehmütige Stunden für die vielen Menschen bei uns, die den 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten geschätzt, gemocht und manchmal regelrecht verehrt haben. Am trüben Mittwochmorgen unserer Zeit ist auf dramatische Weise noch etwas anderes deutlich geworden: Es wird der Abschied von einem anderen, für viele diesseits des Atlantiks besseren Amerika. Möglicherweise für lange Zeit.

Die Mehrheit der wählenden US-Bürger will mit dem liberalen Aufbruch, für den Obama als Politiker wie als Person stand, nichts mehr zu tun haben. Er widert sie teilweise nur noch an. Diese Mehrheit will im Grunde von Politik überhaupt nichts mehr wissen. Und hat daher einen Antipolitiker ins Weiße Haus gewählt. Einen verwöhnten Ego-Shooter, offensichtlichen Lügner, Sexisten und in erster Linie von sich selbst begeisterten Polit-Amateur. Donald Trump hat die Nation für sich gewonnen. Das sagt viel über die Fähigkeiten des gewählten Präsidenten – aber was sagt es über die Nation?

Die USA seien tiefer gespalten als gedacht, hat Hillary Clinton gesagt. Na, Donnerwetter. Die Frau aus dem Dauer-Politikbetrieb Washingtons mag durch die Weiten ihres Lands getourt sein – genau hingesehen und hingehört hat sie offenbar nicht. Auch das zeigt, dass sie eben nicht die beste Wahl für ihre Partei war. Sonst hätte sie wissen können, dass Bauch und Herz der Trump-Wähler am Ende mächtiger sein könnten als der Kopf.

Denn es ist ja kein Polit-Voodoo, der Trump an die Schalthebel der westlichen Führungsmacht geführt hat. Seine Wähler mögen zu Teilen schlichter denken als die der Demokraten – aber sie haben doch Gründe für ihre Stimmabgabe. Da ist jetzt viel vom Bildungsgefälle die Rede, von kulturellen Unterschieden oder auseinanderstrebenden Grundüberzeugungen. Dafür spricht ja auch viel in einer Wählerschaft, die am gleichen Tag in Kalifornien und zwei weiteren Bundesstaaten den Haschisch-Konsum quasi legalisiert und in Nebraska und anderen Staaten wieder in vollem Umfang auf die Todesstrafe setzt.

Im Kern aber geht es um etwas anderes – und Bill Clinton hat es in den Neunzigerjahren schon gewusst: „It’s the economy, stupid“ – die Wirtschaft, Dummkopf. Sie spaltet das Land. Sie hat die Millionen von Menschen verunsichert, denen gerade alles zu schnell geht, deren Vermögen die Finanzkrise bedroht oder gefressen hat, die ihren Job durch Globalisierung und Digitalisierung gefährdet sehen. Die sich nicht mehr auskennen und die Politik, Medien und überhaupt alle etablierten Organisationen mit all jenen im Bunde sehen, die ihre Lage nur verschlechtern. Und ihnen nun auch noch die Waffen nehmen wollen. Zyniker nennen sie die „Modernisierungsverlierer“. Eine seltsame Anmaßung derer, die sich für die Gewinner halten. Sie rächt sich nun.

Das Phänomen Donald Trump ist insofern sehr amerikanisch – und doch beachtlich universell. Auch in Europa, auch in Deutschland verringert sich die ökonomische Spaltung der Gesellschaften nicht, im Gegenteil: Sie wächst. Und mit ihr der rechte politische Rand, der immer öfter in die Mitte drängt. Wer nach Antworten auf die Frage nach dem Erfolg der Vereinfacher, Nationalisten und Faktenverweigerer sucht, könnte hier fündig werden. Längst nicht nur in Amerika.

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