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Was wird aus
 den Flüchtlingen?

Analyse zur Asylpolitik Was wird aus
 den Flüchtlingen?

Beim Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der 14-jährigen Reem trafen Politik und Recht auf Not und Verzweiflung. Das geschieht in der Flüchtlingsfrage täglich hundertfach. Und ist bisweilen unmenschlich. Eine Analyse von Hendrik Brandt.

Es war vielleicht das anrührendste Bild in dieser bewegten Woche: Angela Merkel steht nach dem Griechenland-Verhandlungsmarathon am Mittwoch in Rostock bei einem „Bürgerdialog“ der 14-jährigen Reem Sahwil gegenüber. „Gut leben in Deutschland“ ist das Thema der Kanzlerin. Das leicht körperbehinderte Mädchen, das als Flüchtling aus Palästina gekommen ist, wäre schon froh, wenn es überhaupt hier leben dürfte. Reem sagt das auch, höflich und in perfektem Deutsch. Wenig später weint sie. Und Merkel erklärt mühevoll, warum das alles so einfach eben nicht ist.

Politik und Recht treffen auf Not und Verzweiflung – in der Flüchtlingsfrage geschieht das bei uns täglich und hundertfach. Fast 180.000 Menschen haben im ersten Halbjahr nach ihrer Einreise Asyl in Deutschland beantragt. Das sind 180.000 Lebensläufe und Schicksale. 132 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2014. Jeder dieser Menschen, die oft nur noch unwürdig in Zelten und Turnhallen Platz finden, stellt die Frage der Fragen: Kann ich bleiben? Kann ich hier ein Leben führen wie ihr Deutschen?

Flüchtlinge haben Anspruch auf schnelle Antwort

Sie alle haben zumindest einen Anspruch auf eine klare, schnelle Antwort. Die Kanzlerin war da in Rostock recht deutlich: Nicht alle Menschen, die etwa im Nahen Osten oder in Afrika als Flüchtlinge lebten, könnten nach Deutschland kommen. Aber welches sind die Kriterien für die Auswahl? Und wer setzt sie durch? In den ersten sechs Monaten haben die Prüfer gut 36 Prozent der Asylbewerbungen als berechtigt anerkannt – vor allem bei Menschen aus Syrien, dem Irak und Eritrea. Bis zu neun von zehn Hilfesuchenden aus diesen Ländern dürfen bleiben. Exakt entgegengesetzt sieht es beim Kosovo und Albanien aus: Fast 90 Prozent werden abgelehnt. Bis solche Klarheit überhaupt erreicht ist, dauert es jedoch noch immer viel zu lang, zuweilen vergehen Monate und Jahre. Das muss sich rasch ändern und darf auch ruhig etwas kosten.

Zugleich ist auch an anderen Stellen Tempo gefragt: Wer unter dem Schutz des Asyls oder aus anderen, gerade mit guten Argumenten erweiterten Gründen bleiben kann, braucht zügig Hilfe und Anleitung zur Integration. Das beginnt mit dem Deutschkurs und endet bei der Anerkennung von Ausbildungen noch lange nicht. Arbeit gibt es hierzulande längst wieder genug. Alle anderen Hilfesuchenden aber werden dann auch wieder gehen müssen. Das ist hart, bisweilen auch unmenschlich. Aber es gibt jenen Raum, die nach unseren Maßstäben die Hilfe am nötigsten brauchen. Menschen wie Reem.

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