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Meinung Wer gewinnt den Generationenkampf?
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00:15 18.08.2015
Von Gunnar Menkens
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Eigentlich dachten Hannovers Sozialdemokraten, in der Sommerpause würde das politische Geschäft ruhen wie der Angriff von Hannover 96 während der Saisonvorbereitung. Aber dann erreichte dösende Genossen die Nachricht: Gerd Andres, 64, Politikveteran alter Schule, will einen Platz im Stadtparlament. Auf dem Weg ins Rathaus sollen den langjährigen Bundestagsabgeordneten die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Buchholz nominieren, die er auch mit dem Argument zu gewinnen hofft, im Rat seien Interessen des Stadtteils „unterbelichtet“. Und weil für das Buchholzer Licht im Rathaus der 36-jährige Henning Hofmann verantwortlich ist und auch bleiben will, war mit Andres Bewerbung klar: Vor der SPD-internen Abstimmung ringen zwei Parteifreunde um den wohl einzig aussichtsreichen Platz auf der Kandidatenliste für die Kommunalwahl 2016.

Nach seinem freiwilligen Abschied aus dem Bundestag 2009 hatte sich Andres sechs Jahre lang aus Bundes- und Kommunalpolitik herausgehalten. Jetzt scheut er die Konfrontation nicht, um Hofmann, der zugleich Bezirksbürgermeister in Buchholz-Kleefeld ist, aus dem Rat zu kegeln. Nach nur einer Wahlperiode im Rathaus wäre das ein sehr ungewöhnlicher Abgang, für Hofmann wie jeden anderen. Dass Andres diesen Konflikt austragen will, ist sein gutes Recht. Auswahl ist schließlich das Wesen der Demokratie, und wenn er glaubt, worauf man wetten kann, er könne es besser, soll er sagen, was er will, und sich der Abstimmung stellen.

Kein Zweifel: Der frühere Spitzenpolitiker ist in diesem Kandidatenduell der Mann mit dem erheblich größeren politischen Gewicht. Er scheut keine deutlichen Worte, und das ist in einer Welt abgesicherter und abwägender Statements ein Gewinn. Politik war sein Beruf. Seine Bundestagswahlkreise gewann er direkt, er war Parlamentarischer Staatssekretär in Regierungen unter Schröder und Merkel, zählt zum konservativen Seeheimer Kreis, er ist Stratege und Einfädler. Andres saß in Büros deutscher Kanzler, Hofmann arbeitet als Referent im Büro des SPD-Europaabgeordneten Bernd Lange. Es gibt Sozialdemokraten, die spotten, Andres würde Leichtgewichte wie Hofmann vorm Frühstück verspeisen.

Aber auch der Bezirksbürgermeister ist mit sichtbarem Sendungsbewusstsein unterwegs. Er postet Erlebnisse aus der wunderbaren Welt eines Bezirksbürgermeisters auf Facebook und ließ sich sogar seine eigene App „HenHo SPD“ einrichten, für die Smartphones dieser Welt. Als eine ältere Bürgerin ihn neulich bat, im Supermarkt nachzusehen, ob wieder Kaffeesahne im Regal ist, übernahm er den Job. Sehr kleinteilig ist das, für viele in der SPD zu kleinteilig; aber es ist auch das, was sich die Partei seit Jahren vornimmt: Nähe zu Menschen vor Ort herzustellen. Fraglich, ob Andres ein geeigneter Ansprechpartner wäre, um Lagerbestände örtlicher Lebensmittelhändler zu inspizieren. Man käme wohl kaum auf die Idee.

Henning Hofmann war in den vergangenen zwei Jahren der Mann fürs Kleinteilige. Aufgefallen ist auch sein Einsatz für Oststadtkrankenhaus-Flüchtlinge, er sagt, ihm gehe es um „Willkommenskultur“ und Moderation vor Ort. Andres dagegen spricht von „wachsendem Unbehagen“ in der Nachbarschaft.  

Der Wahlkampf hat also begonnen. Man kann ihn für einen Konflikt der Generationen halten, und ein wenig ist er es auch. Der Alte gegen den Jungen, der Strippenzieher gegen den sozialen Netzwerker, die große Politik gegen den Mann vor Ort. Manche in der SPD fürchten, dass die Partei wie von gestern erscheint, wenn sie einen 64 Jahre alten Politiker im Ruhestand einem beinahe 30 Jahre Jüngeren vorzieht.

Gerd Andres ist der zweite Prominente, der von heute auf morgen in lokale Politik eingreift. Vor ein paar Jahren gelang es Doris Schröder-Köpf, mithilfe von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, für eine Landtagskandidatur nominiert zu werden. Damals blieb eine etablierte Abgeordnete auf der Strecke, die Basis wollte es so. Wenn auch Andres gewinnt, riskiert die SPD den öffentlichen Eindruck, dass nichts mehr zählt, wenn nur ein großer Name kommt.

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