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Meinung Wer gewinnt den Kampf ums Auto?
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02:15 04.04.2016
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Hannover

Die neuen Internetkonzerne werden die Autozukunft beherrschen, nicht die alten Blechbieger. Davon muss man natürlich ein wenig Milliardärs-Hybris abziehen - aber es ist ernst zu nehmen. Das Autogeschäft verändert sich schneller und grundlegender, als es sich die chronisch selbstbewusste Branche noch vor fünf Jahren vorstellen konnte.

Am Model 3, mit dem die US-Stroumauto-Firma Tesla gerade unter großem Showgewitter den Einstieg in den Massenmarkt angekündigt hat, ist solche revolutionäre Kraft nicht unbedingt abzulesen. Das professionell, in vielem aber auch konventionell gemachte Elektroauto kommt frühestens Ende 2017 auf den Markt, wenn schon einiger Technologievorsprung geschmolzen sein wird. Auch die erhofften Stückzahlen heben die Autowelt nicht aus den Angeln. Und dass Elon Musk als Autobauer hoch subventioniert wird und trotzdem riesige Verluste macht und seine Akku-Auto auch schon einmal abbrennen, könnte weiter zur Entspannung beitragen. Doch dafür gibt es keinen Grund: Aus dem Nichts heraus haben dem Selfmademan wenige Jahre genügt, um den etablierten Autogrößen ihre Verwundbarkeit zu zeigen.

Weniger auffällig, wahrscheinlich aber noch wichtiger ist die Vernetzung des Tesla, die neue Services und eine nie gekannte Kundenbindung möglich macht. Längst ist Mobilität auch ein Schlüsselthema der Internetkonzerne. Apple, Google und andere wollen die Kontrolle über das Auto. Sie interessieren sich nicht für Fahrkomfort und Querbeschleunigung, sondern für Zeit: Das Auto ist die letzte weitgehend internetfreie Zone unseres Alltags. Die wollen sie füllen, der Rest drumherum ist buchstäblich nur ein Vehikel dafür. Dieses Herangehen ist den „Car Guys“ alter Schule so fremd, dass sie es lange nicht einmal erkannt haben. Jetzt erzählt man ihnen in Kalifornien von Nokia, wo man alte Technik perfektionierte, während sie von neuer überrollt wurde.

Die neue Konkurrenz hat enormes Kapital, sie hat bekannte Marken, und sie beherrscht die neue Schlüsseltechnologie. Als Autobauer wird man da schnell zum Lieferanten für Fahrgestelle degradiert. Denn in diesem Wettbewerb geht es nicht mehr, wie in der Autobranche, um ein paar Prozent Marktanteil. Es geht um Marktbeherrschung und Kundenkontrolle. Pessimisten sehen Europas größte Industrie in einigen Jahren einen Überlebenskampf ausfechten. Die Autokonzerne haben diese Gefahr erkannt und arbeiten mit Hochdruck an neuen Antrieben, Digitalisierung und Angeboten für eine neue Autofahrergeneration. Noch können sie sich durchsetzen.

In den vergangenen Jahren hat Deutschland vor allem bewiesen, wie es nicht geht: Die „Nationale Plattform Elektromobilität“ und die Diskussion um die E-Auto-Kaufprämie sind eine besondere Form der Energieverschwendung. Der Staat wird für die Infrastruktur und die rechtlichen Rahmenbedingungen gebraucht. Um Produkte, nach denen Menschen Schlange stehen, muss sich jeder in der Industrie schon selbst kümmern.

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