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Wer hat Angst vor Google?

Leitartikel Wer hat Angst vor Google?

Wir suchen, telefonieren, navigieren und organisieren mit Google. Das Internetunternehmen prägt unseren digitalen Alltag. Und doch ist uns nicht ganz wohl damit. Denn so wie wir Google nutzen, nutzt es auch uns: als Datenlieferanten. Viele beschleicht langsam das Gefühl, dass das so nicht richtig sein kann. Eine Analyse von Hannah Suppa.

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Quelle: dpa

Selbst der Datenschutz-Verantwortliche von Google gab vergangene Woche zu: „In der Vergangenheit hat es einige Fehltritte gegeben.“ Und Europa steht weiter verdutzt daneben. Bis jetzt?

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager unternimmt nochmals einen Versuch, sich gegen Google zu stemmen. Ihr Thema: Online-Shopping. Die Suchmaschine missbrauche ihre Marktmacht und bevorzuge in der Trefferliste eigene Preisvergleiche – das behindere den Wettbewerb. Beschwert hatten sich europäische Preisvergleichsportale, der Streit zieht sich seit Jahren, es droht eine Milliardenstrafe. Google, das seit Neuestem unter dem Dach Alphabet sortiert ist, hat nach zweimaliger Fristverlängerung der EU jetzt doch geantwortet. Der Tenor: Alles Quatsch – für den Verbraucher gäbe es nur Vorteile, das Geschäft mit den Preisvergleichen wachse dank Google. Nun ist Brüssel am Zug: Man ahnt, dass es sich ziehen wird.

Der mit großem Geklingel verkündete Kampf ist nicht mehr als ein putziges Kämpfchen auf einem Nebenschauplatz, das nach außen transportiert: Die EU tut was gegen Google und stellt sich auf die Seite der Verbraucher. Tut sie das wirklich? Eigentlich spielt sie seit Jahren Empörungs-Pingpong: Es wird festgestellt, dass man handeln muss, es folgen große Worte („Google zerschlagen!“) – und dann? Passiert nichts. Währenddessen hat der US-Konzern immer neue, gute Ideen und drängt in weitere Gebiete. Google ist eben mehr als eine Suchmaschine, es geht um mehr als Trefferlisten beim Shopping. Es gibt in dieser digitalen Revolution, für die Google steht, einiges zu tun: Ein einheitlicher europäischer Datenschutz muss endlich umgesetzt werden. Die bisherigen Regeln stammen aus den Neunzigerjahren, eine digitale Ewigkeit. Das Ringen um die Neuregelung dauert nun schon jahrelang. Hier sollte die EU mit der Kampfeslust antreten, die sie im Wettbewerbsstreit zur Schau trägt.

Google ist nicht schuld, dass Europa hinterherhinkt – wir haben Chancen verpasst. Nun braucht der Konzern endlich Gegenspieler. Warum können die nicht aus Europa kommen? Dieses Selbstbewusstsein wäre Google-like. Und es gibt sie: Start-ups, die eine Alternative sein wollen – trotz der europäischen Politik. Faire Suchmaschinen, die den Nutzer nicht ausspionieren. Kartendienste, die das Leben der Menschen auch verbessern, ohne persönliche Daten langfristig zu sammeln. Ein einheitlicher digitaler europäischer Binnenmarkt wäre ein erster Schritt. Google muss den Markt nicht ewig bestimmen: In den USA werden die Suchanfragen weniger, der Coolness-Faktor ebbt ab – der boomende Smartphone-Markt lässt Raum für Innovationen anderer. Da geht noch was.

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Von Redakteur Hannah Suppa