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Wer macht Tempo bei der Fifa?

Kommentar zu Blatter Wer macht Tempo bei der Fifa?

Jetzt hat die Fifa endlich die Chance auf einen Neuanfang. Einen, der ohne Kompromisse auskommt. Einen, der von unbelasteten Protagonisten gestaltet wird, die unverdächtig sind, bald als nächste im Fifa-Sumpf zu versinken. Eine Analyse von Sebastian Harfst. 

Das Aufatmen ist groß. Das Fifa-Kaugummi ist gerissen, der Präsident entmachtet. Dass Sepp Blatter von der Fifa-Ethikkommission offiziell nur für 90 Tage gesperrt wurde und damit im Januar wieder sein Büro im Züricher Hauptquartier beziehen könnte? Geschenkt. Entsprechende Ankündigungen können nur als Wahn eines der (Fußball-)Welt Entrückten bezeichnet werden.

Jetzt hat die Fifa endlich die Chance auf einen Neuanfang. Einen, der ohne Kompromisse auskommt. Einen, der von unbelasteten Protagonisten gestaltet wird, die unverdächtig sind, bald als nächste im Fifa-Sumpf zu versinken. Kronprinz Michel Platini dürfte raus sein aus diesem Rennen. Er ist gemeinsam mit Blatter untergegangen.

Und der Neuanfang muss schnell kommen. Interimspräsident Issa Hayatou sollte als der Weltverbandsboss für ein paar Tage in die Geschichte eingehen. Alles andere wäre bei seinem Ruf nicht akzeptabel. Die Fifa ist ein Weltunternehmen mit Milliardenumsatz. Und Weltunternehmen – siehe VW und der im Schnelldurchgang realisierte Chefwechsel im Abgasskandal – treffen schnelle, konsequente Entscheidungen. Führungslosigkeit ist keine Option. Nur wer spielt jetzt den Fifa-Saubermann?

innern sich gerne an das Sommermärchen 2006 im eigenen Land. Ein unbeschwertes und in den Korruptionswirren rund um die Vergaben diverser Weltmeisterschaften weiterhin (und hoffentlich für immer) unverdächtiges Freudenfest, das weit über den Fußball hinausreichte. Seit dem vergangenen Jahr schaut die Welt bewundernd auf die Helden von Rio, auf eine Mannschaft, die nicht nur Weltmeister wurde, sondern zeigte, dass im deutschen Fußball die Integration von Migranten weit vorangeschritten ist. Der DFB ist zudem mit fast sieben Millionen Mitgliedern der größte nationale Sportverband der Welt – und hat dementsprechend eine Stimme, die Gewicht hat.Präsident Wolfgang Niersbach ziert sich noch, will sich nicht ins Flutlicht des Weltfußballs stellen. Er sieht sich weiter als Deutschlands Fußball-Boss. Gleichzeitig rückte er aber auch von Platini ab, sprach von einem Rucksack, den der Uefa-Chef nun mit sich herumzutragen hätte. Niersbach fordert einen neuen Geist bei der Fifa.

Wie lange kann er den Stimmen standhalten, die fordern, dass er es sein soll, der diesen neuen Geist in Zürich aus der Flasche befreit?

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