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Wo bleibt Amerikas Freiheitswille?

Kommentar zum Überwachungssystem Wo bleibt Amerikas Freiheitswille?

Die Mehrheit der Amerikaner ist immer noch für den Waffenbesitz, um sich im Zweifel gegen einen übergriffigen Staat wehren zu können. Der Kommunikationsbranche wäre mehr von dieser Mentalität dringend zu wünschen. Ein Kommentar von Dirk Schmaler.

Es wird niemanden mehr überrascht haben, dass auch Amerikas Kommunikationsriese AT&T dem US-Geheimdienst beim weltweiten Spitzeln behilflich war. Es ist schon länger bekannt, dass fast alle namhaften US-Telefongesellschaften und Internetunternehmen aus dem Silicon Valley als Teil des Überwachungssystems der NSA dienen. Und doch sind die neu ausgewerteten Dokumente aus dem Innersten der Dienste entlarvend. Sie zeigen sehr deutlich, dass es nicht immer die blanke Macht einer aus den Fugen geratenen Regierung und ihrer Geheimgerichte war, die US-Firmen zur Zusammenarbeit zwang.

Vielmehr verstand sich das Nachfolge-Unternehmen des Telefonerfinders Bell offenbar als „Partner“ der Geheimdienste, der die NSA viele Jahre lang „hochgradig zuverlässig“ und „äußerst willfährig“ mit Milliarden von Telefondaten und E-Mails ihrer Kunden versorgte, darunter etwa die vom UN-Hauptquartier. Man muss befürchten, dass diese und ähnliche Kooperationen andauern. Ein Ende der Lauschprogramme jedenfalls will in Washington bis heute niemand bestätigen.

Für US-Unternehmen, die den Kommunikationsmarkt weltweit dominieren, können derartige Enthüllungen verheerende Folgen haben. Wenn das einstige Land der Freiheit seine Unternehmen derart flächendeckend als Spionagewaffen instrumentalisiert und die Konzerne diese Rolle noch bereitwillig annehmen, dürfen sie sich nicht über schwindendes Vertrauen wundern. Welches Großunternehmen und welche Behörde auf der Welt kann es sich noch leisten, sich bei sensiblen Kommunikationsdienstleistungen auf US-Firmen zu verlassen? Die Mehrheit der Amerikaner ist immer noch für den Waffenbesitz, um sich im Zweifel gegen einen übergriffigen Staat wehren zu können. Der Kommunikationsbranche wäre mehr von dieser Mentalität dringend zu wünschen.

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